Forum für alle Pässe- und Tourenfahrer

Landespreise Norwegen und Schweden 2024

Berichte von euren Reisen und Abenteuer beim Pässe knacken
Do 15.08. Östlichster Punkt

Tundra (auch Kältesteppe) ist der Oberbegriff für die Offenlandgebiete der (sub-)polaren Klimazone. Der Begriff stammt aus der Geographie und bezeichnet verallgemeinernd einen bestimmten Landschaftstyp der globalen Maßstabsebene. 

Die Nacht war erholsam, der Nachbar ruft zum Frühstück. Die Motorräder werden gesattelt und es geht bei schon wieder gutem Wetter los, runter von der Insel, und dann nach Osten auf die Halbinsel Varanger im äußersten Nordosten Norwegens. Die Routenplanung ist denkbar einfach: 4 Passknackerpunkte liegen auf einer Strecke. Nach dem letzten muss man umkehren, wenn man nicht einige Kilometer weiter ins Polarmeer fallen möchte, also geht’s den gleichen Weg wieder zurück. Morgen geht’s nach Süden, heute gibt’s eine Übernachtung. Diese liegt an der gleichen Strecke, wir fahren also sogar vorzeitig dran vorbei.

Vom Campingplatz Richtung Honningsvag kommt eine Kreuzung mit einem Wegweiser nach rechts, beschildert nach Olderfjord. Das ist eine deutliche Untertreibung. ALLE Orte, außer Honningsvag und Nordkapp, liegen hier nach rechts ab. Da fahren wir hin. Der Tunnel ist ohne Sperrung viel unauffälliger. Wir kriegen endlich mal ein weißes Rentier vor die Linse.

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Fun Fact: Auch Rentierweibchen tragen Geweih. Es ist ein wenig Touristen-Betrieb auf der Strecke bis zur Stadt Laksel, wo wir die E6 verlassen und fortan der Straße 98 folgen. Nächstes Manöver ist ein Kreisverkehr in 148 km. Der erste Passknackerpunkt kommt nach 217 km. Dafür können wir schon wieder bei Sonnenschein und über 20 Grad den Fjord entlang fahren. Hier sind gleich viel weniger Touristen unterwegs, insbesondere kaum noch Motorradfahrer. Die fahren auf schnellstem Weg nach Süden. Wir fahren die Norwegische Nordküste ab. Das macht sonst kaum jemand.

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Wir machen schon vor dem ersten Passknackerpunkt die Mittagspause, so lange zieht sich das. Am Punkt passieren wir dann einen Canyon.

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So tief ist der nicht. Langsam verändert sich auch die Vegetation. Die Bäume werden kleiner. Entlang der Mündung des Flusses Tana (kein Fjord!) fahren wir 23 km den Fluss hoch, bis eine Brücke kommt. Mein Routenplaner kannte eine Abkürzung, die war aber nicht in Sicht: Das dürfte dann wohl eine Eisstraße sein, die nur im Winter existiert. Google Maps weiß aber Bescheid. Vor der Brücke ist eine Tankstelle, und da machen wir Pause.

Jenseits von Tara Bru wird die Strecke noch viel einsamer, denn hier geht’s auf eine Halbinsel, die eine Sackgasse ist. Südöstlich würde es nicht nur Richtung Finnland gehen, sondern auch Richtung Russland – auch wenn der Grenzübergang wegen der aktuellen Krise geschlossen ist. Ja, Norwegen hat eine Grenze mit Russland, und die hat schon zu Kuriositäten geführt, z.B. 3500 schrottreife Fahrräder. Wir genießen das gute Wetter und die Aussicht.

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Wind gibt’s hier natürlich auch wieder reichlich. Den sieht man nicht. Aber die Felsen.

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Das könnte man öde finden, aber die Tundra ist auf dieser Hügellandschaft hier durchaus abwechslungsreich. Je nach Bodenneigung wächst mehr oder weniger Gras in gelb, grün oder lila, und es schimmert mehr oder weniger grauer, roter oder brauner Boden durch. Hinter jede Kurve eine neue Welt, und man kann völlig ungestört mit Tempolimit 90 auf sanften Radien durchfliegen.

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Auf den Fotos macht es wenig her, aber für mich hat sich der Tag dadurch schon gelohnt. Fun Fact: Südlich von hier ist bereits Russland. Christoph wirkt nicht unglücklich.

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Genau weiß ich es nicht, ich habe mein China-Billig-Headset gestern Abend nicht geladen, und nach insgesamt ca. 14 Stunden Intercom Dauerbetrieb war dann doch Schluss. Sehr gute Leistung für 23 Euro das Paar.

Dann aber auf zum Hotel „AuroraLife“ in Tana! Von außen eine unscheinbare Holzhütte. Zwei Zimmer, je 50 Euro die Nacht. Es steht ein Auto aufm Parkplatz, wir werden ran gewunken. Vanja heißt uns willkommen und erklärt uns alles. Wir sind die einzige Gäste. Früher war dies die Station für die Schneemobilfahrer, die im Winter die Straße räumen. Dann hat sie es gekauft und zum Cafe umgewidmet. Dafür hat sie heute keine Zeit mehr, jetzt ist es ein Hotel. Es gibt 6 Zimmer, eine Gemeinschaftsküche und je ein Gemeinschafts-WC und ein Gemeinschaftsbad (mit noch einem WC). Die Gemeinschaftsräume sehen aus wie aus dem Möbelkatalog. Der Fernseher ist größer als meiner daheim, das Sofa etwa gleich groß. Zwei Esstische, eine vollständige Küche. Wow. Es gibt WLAN, hier mitten im Nichts. Und das beste: Wir sind die einzige Gäste und haben das Haus für uns alleine!

Nach der Dusche kommt die Thai-Suppe auf den Herd, und es wird schnabuliert. Mahlzeit!

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87% Norwegen

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500 km heute

Morgen geht’s ohne Passknackerpunkte direkt nach Süden. Die Suche nach Unterkunft an der Schwedisch-Finnischen Grenze gestaltete sich eher holprig, und die Wettervorhersage ist auch nicht toll. Aber hey, bisher haben wir auch alles geschafft!
Fr 16.08. Brückentag, Lückentag

Ein Zeitalter der Legenden und der Angst
Eine Zeit, die so weit entfernt ist
Der Aberglaube war ein Teil ihres Lebens
So ungeschützt in den dunklen Nächten

Traurige Menschen mit bleichen Gesichtern
Starrten besessen in den Mond
Manche Erinnerungen werden nie verschwinden
Und sie werden für immer hier sein


Blick aus dem Fenster und halb 4 Uhr früh:

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Dazu hat es sagenhafte 26 Grad. Fun fact: Wir sind hier zwar noch in der mitteleuropäischen Zeitzone, aber sehr weit östlich. Die Staaten des Baltikums, Bulgarien und das griechische Festland liegen vollständig westlich von uns. Der östlichste Punkt Norwegens ist sogar östlicher als Istanbul. Da fahren wir aber nicht hin. Wir verlagern heute nach Süden, denn die nächsten Passknackerpunkte liegen in Schweden. Anstelle des schnellsten Strecke laut Google gönnen wir uns aber eine Abweichung, wir fahren auf der finnischen Seite des Flusses Tana. Da ist weniger Bebauung, und mit Fluss rechts hat man die schönere Aussicht. Also an der Brücke in Tana Bru wieder vorbei (bzw. 2x drüber, weil dort eine Tankstelle ist)...

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… und dann rein nach Finnland!

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Wir besuchen zufällig den nördlichsten Punkt Finnlands, der gleichzeitig auch der Nördlichste Punkt der EU ist. Der ist so unscheinbar, das braucht kein Foto. Highlights sind eher die im Schnitt gammligeren Fahrzeuge der Finnen.

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TÜV kriegt wahrscheinlich Herzinfarkt. Sammler auch. Finne findet es gut. Wir fahren an der Tana entlang. Auf der finnischen Seite ist echt nichts mit Besiedelung los. Wir kommen gut voran. Gelegentlich gibt es auch Parkplätze.

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Rechts Finnland, links Norwegen. Es ist Regen ab Mittag angesagt. Wir wollen noch möglichst viele trockene Kilometer schaffen, und kehren zu einem ungewöhnlich ausführlichen Mittagessen ein, als der Regen losgeht. Es gibt Pizza. Wir teilen uns eine scharfe 40 cm Pizza. Das macht zwar nicht unbedingt wach, tut aber gut. Weiter geht’s die Grenze entlang, bis es bei Karigasniemi nicht mehr auf der finnischen Seite weiter geht. Nun also wieder Norwegen. Wir sind jetzt auf der Nordkapp-Touristenstrecke für Leute, die direkt anreisen. Wir sehen auch das Ape-Wohnmobil von vorgestern wieder. Klasse Typ!

So geht es Kilometer um Kilometer, dank Tempolimit 100 ungewohnt zügig. Wir fahren durch dichter werdenden Wald, der auch mit jedem Kilometer mehr Herbstfarben trägt. Der Regen wird stärker, wir tragen längst Regenkombis, aber nach 10 Minuten ist mein rechter Socken trotz Frischhaltebeutel feucht, und nach 30 Minuten komplett durchnässt. Bei inzwischen 13 Grad nicht cool. Unter einem Vordach halten wir, ich will Socken und Beutel wechseln. Das ist ohne Hinsetzen gar nicht so einfach und macht auch nicht wirklich Spaß. Im Kopf spiele ich Vergeltungsaktionen durch für den Hersteller und den Händler dieser grotesk undichten Motorradstiefel, die mir den Urlaub halb versauen. Aber das hilft niemandem weiter.

Unser Unterkunft ist heute ein kleines Landhotel in Finnland. Es gibt einen Streifen Finnland zwischen Norwegen und Schweden, und da gibt es ein paar Unterkünfte. Zwecks getrennter Zimmer sprengen wir das Budget heute etwas, aber hey. Es gibt noch ein kleines Abendessen und dann wird weiter geplant. Morgen wird das Wetter zum Glück wieder besser.

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484 km heute

Passknacker Fortschritt heute genau wie gestern, mangels Passknackerpunkten. Morgen geht’s nach Schweden rein. Wo es sodann an den Passknacker Landespreis Schweden gehen wird – mit Abstechern nach Norwegen zwischendurch, und am Ende sowieso.
Sa 17.08. Willkommen in Schweden, Kiruna

Die Samen (veraltet Lappen) sind ein indigenes Volk im Norden Fennoskandinaviens. Ihr heutiges Siedlungsgebiet, Sápmi, erstreckt sich von der Gemeinde Idre in der Provinz Dalarnas län im Süden über die nördlichen Teile Schwedens, Norwegens, Finnlands und im Osten bis zu den Küsten der Barentssee und dem Weißen Meer auf der heute russischen Halbinsel Kola. Die samischen Sprachen gehören zur Familie der finno-ugrischen Sprachgruppe und mit dieser zu den uralischen Sprachen und sind insbesondere mit dem Finnischen verwandt. Die Samen sind heute eine „Minderheit im eigenen Land“. Auf ganz Sápmi bezogen sind nur 4 % der Einwohner Samen. Es leben heute bereits fast 60 % der Samen von modernen Berufen, wobei dem Tourismus eine steigende Bedeutung zukommt. Etwa seit dem 17. Jahrhundert löste die nomadische Rentierwirtschaft der Bergsamen die Jagd ab und wurde zur Grundlage der samischen Subsistenz.

Unser Gästehaus hat sich als sehr gediegene Unterkunft erwiesen. Das "LappHouse Puistola" ist rustikal, aber herzlich, und mit (mindestens) 4 verschiedenen Heizungssystemen ausgestattet. Es gibt auch einen Stiefeltrockner, aber er scheitert an meinen Stiefeln. So muss ich wieder mit dicken Socken und Gefrierbeuteln hantieren, die mehr oder weniger halten, was den morgendlichen Ablauf enorm verkompliziert und nicht zu guter Laune beiträgt, trotz positiver Wettervorhersage für den Tag. Wir sind außerdem verwirrt von der Zeitzone Finnlands, in die unsere Handies mal rein wechseln, und kurz danach wieder raus. So sind wir nach den ersten Metern auf dem Motorrad überrascht, dass wir eine Stunde früher unterwegs sind also eigentlich gedacht. Das macht aber nix, denn es liegt viel vor uns. Zunächst geht es noch etwas durch Finnland. Der Wald ist hier schon etwas herbstlicher.

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Dann biegen wir aber links ab, nach Schweden.

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Es sieht nicht viel anders aus als Norwegen, bis auf gelbe Verkehrsschilder, weiße Mittelstreifen, und gelb-blaue Leitschilder.

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Die gute Nachricht: Heute sind Passknackerpunkte in der Route! Die schlechte: Der erste ist in Kiruna, nach 191 km. Dort gibt’s eine Seilbahn auf einen Abraum-Berg, und das Nachweismotiv ist die Talstation. Ich habe Lust auf Blödsinn.

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Kiruna ist die größte Stadt heute, und es ist bereits fast Mittag. Darum kaufen wir ein und suchen uns etwas zu essen. Dabei erkunden wir nebenbei noch diese sehr stark vom Bergbau geprägte Stadt. Von hier fährt die Eisenbahn nach Narvik in Norwegen, damit das Erz auf Schiffe verladen werden kann. Fun facts: Es ist die nördlichste Stadt in Schweden. Das Flöz Kiruna hat einen sehr hohen Magnetitanteil, der für die zweitgrößte magnetische Anomalie der Welt verantwortlich ist. Damit die unter der Stadt liegenden Eisenerz-Vorkommen abgebaut werden können, wird die Stadt bis 2040 komplett um fünf Kilometer nach Osten verlegt. Wir sehen einige abgerissene und eingezäunte Gebäude. Es sollen auch 1,7 Millionen Tonnen seltene Erden unter Kiruna liegen. Fun Fun Fact: Seltene Erden sind keine Erden, und sie sind nicht selten. Bzgl. Essen werden wir fündig beim "Arctic Thai & Grill", wo es Thai-Küche, aber auch Burger gibt. Wir lassen uns je ein scharfes rotes Hühnchen-Curry schmecken. Qualität, Preis und Menge passen allesamt sehr gut. Ein echtes Juwel, wenn auch mit Kantinen-Flair.

Der nächste Punkt heißt Storvägen und ist nur 90 km entfernt. Ich wollte nicht mehr in Kiruna tanken. Wir tanken eigentlich immer zusammen an einer Säule. Da ich die Unterkünfte zahle, tankt und zahlt Christoph. Da wir die Kosten erfassen und 50/50 teilen, meine Aprilia aber etwas mehr Durst hat als seine Yamaha, tankt er immer erst seine Yamaha voll, und danach die gleiche Menge in die Aprilia. Wenn man das zu Ende denkt, bleibt die Aprilia irgendwann liegen, auch wenn sie den größeren Tank hat. Da es im Tank dunkel ist und die Tankanzeige defekt ist, weiß niemand so genau, wie viel eigentlich gerade drin ist. Heute ist es nach 6 Betankungen so weit, dass ich eigentlich noch weiter fahren wollte, aber sich dann die Reserve-Lampe meldet. Ich habe also doch eine! Und sie funktioniert noch, trotz defektem Tanksensor! Was ist das denn für eine Technik? Naja, Reserve sind 3 Liter, das sind bequem 70 km. Und wir haben beide noch Kanister dabei, es bestand nie reale Gefahr. Ich bin beruhigt, dass ich den Rest der Tour einfach gucken muss, ob die Reserve-Lampe leuchtet. Aber dann nehmen wir doch die nächste Tankstelle in einem kleinen Dorf. Der Passknacker ist eher unscheinbar, bietet aber immerhin einen kleine ebene Fläche abseits der Straße.

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Hier könnte man Wild campen! Man kann aber auch weiter Schichten anziehen, oder seine Heizjacke anschließen, denn uns ist beiden trotz Trockenheit und 18 Grad auf dem Thermometer echt kalt. Kurz darauf passieren wir erneut den „arctic circle“, nun aber von Nord nach Süd. Und dabei fahren wir aus dem Herbst in den Sommer, denn die Bäume sind nun immer weniger gelb und mehr grün.

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So fressen wir die Kilometer weg, 62 km zum Punkt Porjusvägen, und dann schlappe 198 km zur Unterkunft kurz vor Ardvidsjaur. In Ardvidsjaur testet die europäische Autoindustrie gern die Wintertauglichkeit ihrer Fahrzeug, also gibt’s dort Hotels – die sind aber eher selbstbewusst bepreist. Unsere Unterkunft ist eine private Hütte im Wald, nur über eine Schotterstraße zu erreichen.

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Das schockt mich nicht, da bügle ich mit Tempolimit drüber. Christoph darf zur Abwechslung mal vor, der hat mehr Spaß dran als ich. Die Hütte ist sehr fein ausgestattet, wir haben sogar Feuerholz.

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Ich werfe das erste Mal auf dieser Tour eine Waschmaschine an. Zum Abendessen gibt’s Brot und Snacks.

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577 km heute, neuer Rekord. Das meiste davon mit Tempolimit 100, und über 99% mit Tempomat. Nahezu meditatives Motorradfahren. Intercom, Podcasts und Musik helfen sehr, vor allem aber der Tempomat. Das war die absolut richtige Entscheidung.

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84,7% Norwegen, 11,1% Schweden

Morgen gibt’s viel mehr Passknackerpunkte und einen Abstecher nach Norwegen!
18.08. Hattfjelldal und sagenhafte Wege

Left Hand Path (englisch für „Pfad zur linken Hand“) ist das Debütalbum der schwedischen Band Entombed. Es erschien im Juni 1990 und gilt als stilprägend und richtungsweisend für den schwedischen Death Metal. Adepten des Pfades zur Linken Hand erfüllen zwei Hauptkriterien: Apotheose und Antinomismus. Apotheose basiert auf den Unterkategorien Individualismus bzw. Selbstbewusstsein, Initiation und Magie. Antinomismus schließt die heterogenen Elemente eines jeweiligen Sozialsystems ein. Ein Adept des Pfades zur Linken Hand strebt eine ethische Position jenseits von Gut und Böse (vgl. Friedrich Nietzsche) an.

Unsere Luxushütte am Schotterweg hat uns gestern viel Freude bereitet. Meine Nacht auf dem Schlafsofa war nicht ideal, aber erholt war ich trotzdem. Die permanent laufende und nur vom Besitzer gesteuerte Klimaanlage hat meine frisch gewaschene Wäsche trocken bekommen. Auch das Wetter ist trocken angesagt. So genießen wir entspannt unser Frühstück, packen ein und fahren los. In Arvidsjaur wird getankt und eingekauft. Ortsübliches Fahrzeug in Schweden:

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Alte Volvo mit Zusatzlampen. Weiter nördlich noch gern mit Dachbox. Auf dem Weg zum ersten Passknackerpunkt Fjällnäs trennen sich unsere Wege. Ich will den kurzen Weg fahren, nur als Abstecher von der Hauptstraße, Christoph will lieber die ganze Runde fahren, da er so mehr Schotter unter die Räder bekommt. Ich kann also gemütlich Pause machen...

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Dachte ich zumindest, denn er ist erstaunlich schnell da. Auf nichts ist mehr Verlass. Unsere Route führt uns heute ziemlich gerade nach Westen, bis nach Norwegen hinein, und dann ein Tal südlicher wieder nach Schweden zurück. Der Punkt Flakaträsk liegt mitten an der E-Straße, dann geht es lange am See entlang und immer mehr das Fjell hoch.

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Ängesdalslia ist ein Abstecher, dann wird’s immer einsamer und über Atoklinten erreichen wir Norwegen. Ich fahre seit dem Nordkapp 4 leere norwegische Pfandflaschen spazieren und hoffe, sie in Hattfjelldal abgeben zu können. Diese Kleinstadt hat immerhin einen Flughafen, einen Tankstelle und 2 Supermärkte, und wir fahren eh 2x durch den Ort. Weil der Himmel Regen androht fahren wir aber zunächst weiter, bei Regen macht Pause mehr Sinn als Motorradfahren, und im Trockenen umgekehrt. Nach ein paar Tagen mit Tempo 100 kommt einem Tempo 80 in Norwegen sehr langsam vor. Wir halten uns übrigens wirklich dran, auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer mobilen Messung hier sehr sehr gering ist. Die Punkte Akerviken und Kristianhogsten werden besucht. Schöne Landschaft, echte Kurven, das hier ist eher Motorradfahren, wie man es kennt, und weniger Meditation auf Rädern als die letzten Tage.

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Zurück in Hattfjelldal stellen wir fest, dass beide Supermärkte sonntags geschlossen haben. Also eben nur wird getankt und gerastet. Einkauft hatten wir ja früh schon in Schweden. Ich gebe mich geschlagen und entsorge die 4 Pfandflaschen im Gesamtwert von 8 NOK = 0,68 EUR. Weiter geht’s wieder nach Schweden, über eine kleine Nebenstrecke, die wirklich Spaß macht. Aussicht, Kurven, Höhenunterschiede, wenig Verkehr, keine Schilder.

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Die Himmel tut immer so als würde gleich der Regen losgehen, aber außer gefühlter Kälte bei 15-18 Grad passiert nichts schlimmes. Die Strecke führt zum Passknackerpunkt Gielas. Wir passieren die Grenze nach Schweden – hier völlig unbewacht. In Schweden heißt die Straße AC-1088 und gehört zum Sagavägen, einer wenig bekannten Touristenstraße. Link für euch: https://sagavegen.com/de/

Wir erreichen nicht den Passknackerpunkt, denn wir halten vorher an. Hier liegt unser Campingplatz für diese Nacht. Ein Stück weiter am Kittelfjäll wäre es auch schön gewesen, mit Restaurants, aber da war nichts zu bekommen bzw. zu teuer oder zu kompliziert. Stattdessen haben wir zwei Hütten am Camping Gransjö, mitten im Nichts. Wir stellen erfreut fest, dass beide Hütten riesig sind. Ich will mir ja keine Hütte mit Christoph teilen, weil er schnarcht, aber die größere der beiden Hütten hätte sogar 2 Zimmer mit je einem Stockbett gehabt. Küche mit Abfluss und Wassertank, Sofa, Kamin, Heizung sind auch vorhanden. Aber bei zwei Hütten für unter 100 Euro kann man nicht klagen. Das fehlende WLAN schmerzt etwas, aber ich habe bisher wenig Datenvolumen verbraucht.

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452 km heute - mal eben quer über den Subkontinent :)

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86,4% Norwegen, 22,2% Schweden

Morgen geht’s fleißig weiter in Schweden. Fernplanung, Strecke: Ich habe noch 2060 km bis zum Passknacker Landespreis Schweden, noch 2430 km bis Oslo. Der Hinterreifen ist etwas eckig und hat ca. 30-40% Profil übrig. Von Oslo bis zum Passknacker Landespreis Norwegen bzw. Fähre sind es 545 km, zu meinem eingelagerten Reifen weitere 500 km. Da bin ich vorsichtig optimistisch, dass ich keinen Reifen in Oslo organisieren muss. Fernplanung, Zeit: Bei 400 km am Tag habe ich inzwischen fast 2 Tage Puffer bis zur Fähre am 28.8. So könnten wir einen Regentag aussitzen, oder ich könnte mir Oslo anschauen. Oder irgendwelchen anderen Blödsinn anstellen, z.B. nur 350 km am Tag fahren.
Gestern noch was vergessen: Noch ein Elch! Er stand am Schotterweg und ging sehr zügig in den Wald, als er uns bemerkt hat. Ich habe wohl Glück, schon bei der ersten Nordnorwegen-/Schweden-Tour gleich 2 Elche zu Gesicht zu bekommen.

19.08. Jämtlands län

Jämtlands län ist eine Provinz (län) in Schweden. Das Territorium von Jämtlands län macht etwa 12 % der Fläche des schwedischen Staatsgebietes aus. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung Schwedens beträgt 1,4 %. Jämtlands län hat mit 2,34 Einwohnern pro qkm  die geringste Bevölkerungsdichte Schwedens. Teile der Region gehören zum Siedlungsgebiet der Samen, Sápmi. Die Wildnisstraße (Vildmarksvägen), die Inlandstraße (Inlandsvägen) sowie eine Reihe weiterer Straßen sind als besonders touristisch sehenswert ausgewiesen worden.

Die Nacht war kalt, aber erholsam. Wir starten daher morgens gleich in sämtlicher wärmenden Kleidung aus unseren Luxushütten. Zunächst geht’s den Sagenweg weiter, den Punkt Gielas eintüten. Wir haben hier und auch später heute immer wieder den Blick auf diverse Seen.

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Nach 87 km kommt die erste Kreuzung, wir biegen rechts ab zum Kultsjölupsen. Das ist eine Abkürzung, die Google Maps vorgeschlagen hat. Christoph ist skeptisch. Es ist eine Schotterstraße.

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Christoph freut sich. Ich habe mich dran gewöhnt und erreiche auch hier inzwischen bequem Tempolimit. Kurz darauf ein sehenswerter Wasserfall, der aber auch ein Touristenmagnet ist.

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Überhaupt haben wir heute ungewöhnlich viele andere Touristen um uns herum, und ihre Wohnmobile auch. Der Verkehr fließt aber weiterhin. Wir befahren den Vidmarksvägen, das der mit 846 Meter höchste anfahrbarer Punkt Schwedens. Da wir schon eine Weile auf dunkle Wolken zufahren legen wir nach in Sachen Regenschutz. Für mich heißt das, Tüten über die Socken. Zum Glück ist hier eine Bank. Das macht es einfacher.

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Der Regen geht zum Glück nie wirklich voll los. Dafür haben wir mehrere Regenbogen heute. Als es zu tröpfeln beginnt gehen wir in einen Supermarkt, und nach dem Einkauf ist wieder Sonnenschein. Wir genießen auf einer Bank unsere Mittagspause mit kleinen Stärkungen. Dann gibt’s einen Abstecher zur Norwegischen Grenze, Passknacker Norgevägen eintüten, und weiter südlich. Hier gibt’s wieder viele Schotterautobahnen zu entdecken. Es ist grundsätzlich hohes Tempo möglich, aber man sollte mit Gegenverkehr rechnen.

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Rechts wird Holz in Schnitzel verwandelt und dann links abgeladen. Hier wird’s für Christoph eng, ich bin aber breiter. Wenn ich einmal mit dem rechten Koffer den LKW touchiere, liege ich im Graben. Da hilft nur Koffer abbauen und hinterher tragen, oder minimal links neben der Piste fahren, und nach rechts geneigt füßeln. Letzteres klappt. Die Punkte heute liegen zwar alle in Schweden, bzw. auf der Grenze, aber wir durchqueren dafür mehrmals kurz Norwegen. Zum Glück ist die Grenze hier völlig offen.

Später geht’s weitere Schotterautobahnen entlang, die jetzt aber nicht mehr nur Steine mit verdichtetem Sand drauf sind, sondern zusätzlich mit einer Schotterschicht. Da sucht sich das Vorderrad eigene Wege, und das klappt auch gut, außer dass bei mir im Kopf Großalarm ist – denn exakt das gleiche Gefühl hat man im Lenker, wenn man auf der Straße Millisekunden von einem Sturz entfernt ist und schon mal Fötushaltung einnehmen sollte. Schweden hat echt viel Wald.

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Wie ich mich so frage, ob man auf solchen Strecken eigentlich mit Wildwechsel rechen muss, überquert ein roter Fuchs gemütlich die Straße, allerdings 300 Meter entfernt. Unsere Unterkunft erreichen wir heute etwas früher als geplant, weil heute wieder hohes Tempo möglich war. Es ist ein Dorfsupermarkt, der im ersten Stock eine Ferienwohnung vermietet.

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Wir haben 90 qm, 3 Schlafzimmer, Küche, WLAN, Bad mit Dusche usw., für 77 Euro. Nur ohne Reinigung, ohne Bettwäsche und ohne Handtücher. Da wir den Supermarkt unter uns haben, wird leckerer als sonst eingekauft. Es gibt Lasagne, Spare Ribs und Süßkartoffelpommes, außerdem Eineinhalb Bier.

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413 km heute

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86,4% Norwegen, 38,9% Schweden

Morgen geht's weiter nach Süden, durch Schweden. Die Wettervorhersage stimmt optimistisch.
20.08. Blaikfjället, Störsund, Häggsjön

Das Objektive Universum (OU) ist der Kosmos bzw. die Weltordnung. Das OU kann sowohl mit der „Natur“, als auch – in pantheistischen Strömungen – mit Gott identifiziert werden. Das Subjektive Universum (SU) ist die „Welt“ eines jeden Menschen. Es gibt so viele subjektive Universen, wie es Menschen gibt. Eine Erfahrung des objektiven Universums ist nur indirekt, gefiltert durch die Wahrnehmung des subjektiven Universums, möglich. Wir finden in allen subjektiven Universen eine universelle Gemeinsamkeit – die Separation vom objektiven Universum, die durch das Bewusstsein eingeleitet wurde.

Wir hatten eine erholsamen Nacht in unserer 90 qm-Unterkunft. Kann man sich merken: Norråkers Handel. 9 Uhr geht’s dann auch direkt los, auf Schotterwegen rund ums Blaikfjället drei weitere Passknacker einzutüten. Es ist frisch und bewölkt, aber trocken. Als Fotomotive gibt’s überall Schilder, nicht nur Bäume oder Abzweige. Und leider auch wenig Landschaft, da stehen ja meistens Bäume davor.

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Am beeindruckendsten ist der letzte Punkt dieser Gruppe, „Gitsfjället / Blaikfjället“ heißt er in der Datenbank, 665 Meter hoch, zwischen Holzgestellen, die Schneeverwehungen verhindern sollen, ganz weit oben auf einem Hochmoor. Man kann ruhig ins Gebüsch gehen zur Notdurft, man sollte aber auf den Boden achten. Der ist weicher als ein amerikanischer Hotelteppich, so viel Moos ist drauf. Oder man tritt ins Leer und steht knietief im Wasser.

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Danach folgt eine lange Überführung, 164 km bis zum Nächsten Punkt. Wir fahren wieder auf der E45, dem Innlandsvegen. Störsund ist die größte Stadt, die wir heute passieren. Nach so viel Abgeschiedenheit ist das schon fast Reizüberflutung. Wir tanken, suchen ein Restaurant und kaufen dann ein. Die Wahl fällt auf Pizza beim Pizza-Pasta-Burger-Mexiko-Mann. Der Supermarkt gegenüber macht den Einkauf leicht. Es fahren überraschend große LKW hier.

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Hinter Störsund biegen wir rechts ab auf die Straße 339 und sind gleich wieder sehr einsam unterwegs, und bald auch auf Schotter. Die Strecke sind etwas schmaler als morgens, zwei Autos müssen sehr langsam fahren, ein Auto und ein Motorrad schon gegenseitig Rücksicht nehmen. Die Sandpisten hier sind nahezu so griffig wie Asphalt, außer da, wo Schotter drauf liegt, da tanzt geradeaus das Vorderrad und in Kurven sollte man sich sehr zurückhalten. Man will also echt nicht in einer Kurve außen auf den Schotter kommen. Es kommt uns fast niemand entgegen, aber manchmal halt doch: Und dann gleich ein ordentlich großer LKW. Da wir immer vorsichtig fahren, war das aber kein Problem. Die Strecken sind auch so gerade, dass sie zum größten Teil sehr gut einsehbar sind. Und es wird wärmer, wir schaffen zwar keine 20 Grad, kommen aber nah dran. Auf dem Weg zum „Lövhöjden / Skalbodt Järn“ haben wir immerhin Aussicht auf einen See.

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Es gibt viel schöne Landschaft hier. Leider sieht man sie nicht, weil so viele Bäume im Weg stehen. Da fallen eher noch Bauwerke auf.

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Und schon bald ist unsere Unterkunft erreicht. 15:50 ist früher als sonst, trotz Start wie üblich gegen 9:00 – aber Christoph wollte etwas kürzer fahren. Wir haben diese Ferienwohnung gestern über Booking gebucht, obwohl sie noch keine Bewertungen hat.

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Nach der Buchung habe ich nichts mehr von der Unterkunft gehört. Andere schreiben einem 15x dass sie sich sehr freuen und dass man im Ort angeln kann und dass man sich unbedingt melden soll wenn man Fragen hat und dass sie ein Babybett dazu stellen können und und und... was auch nicht besser ist, besonders nicht bei 7 verschiedenen Unterkünften pro Woche. Aber hier ist jetzt leider niemand da, um zu öffnen. Nach drei Anrufen geht die Vermieterin ans Telefon: Sie ist in der Arbeit und weiß nichts von einer Buchung, aber sie schickt eine Nachbarin vorbei. Die ist dann auch 30 Sekunden später zur Stelle und zeigt uns freudig alles. Hier aufm Dorf wären die Türen eh nicht verschlossen und jeder weiß, wie er beim Nachbarn reinkommt. Auch in den Autos stecken oft die Schlüssel. Wir bekommen auch das WLAN-Passwort und sind sehr zufrieden. Die Sonne scheint und unter dem Vordach kann man es gut aushalten.

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360 km heute

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86,4% Norwegen, 55% Schweden. 1615 km bis Oslo.
21.08. Storlien i regnvær

Die Schwedisch-Norwegische Union oder Schweden-Norwegen war eine Personalunion der beiden skandinavischen Länder Schweden und Norwegen, die von 1814 bis 1905 existierte. Sie ging aus dem Kieler Frieden infolge der Koalitionskriege sowie der Konvention von Moss hervor. Die beiden Regierungen der Länder hatten ihren Sitz in den Hauptstädten Stockholm und Kristiania (heute Oslo), wobei die norwegische Regierung an die schwedische Regierung in Stockholm gebunden war, mit der Zeit jedoch immer mehr Autonomie erlangte.

Nach einer ruhigen Nacht und dem Frühstück, dass durch Christophs Einfluss immer besser wird, geht’s heute etwas später los. So rollen wir erst 9:10 vom Platz. Die Wettervorhersage ist kein Grund zur Freude, aber zunächst ist es trocken. Die Routenplanung hat heute auch nur 2 Passknackerpunkte zu bieten, wobei der erste am Ende eines 40 km-Abstechers liegt. Davor und danach fahren wir Hauptstraßen, immer Richtung Trondheim, Norwegen. Zunächst geht’s raus aus der Nachbarschaft der Unterkunft, und da ist offensichtlich Motorski ein großes Thema. Bzw. Schneemobil, Motorschlitten oder Schneemotorrad, oder wie man die Dinger eben nennen möchte. Überall sind markierte Wege, Werkstätten, Händler. Es ist aber keine Saison gerade.

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Es dauert überraschend lange, bis wir auf die Hauptstraße E14 treffen. Vorher haben wir noch einen netten Blick auf diesen See.

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Hier im Tal scheint eher Pferdezucht und Reiten das Thema zu sein. Dann geht’s lange nach Westen, und schließlich auf unseren Abstecher zum Gamlavägen, der „alten Straße“ nach Norwegen. Wir fahren schon länger auf dunkle Wolken zu. Christoph ist direkt in Regenkombi gestartet als Kälteschutz, ich bin bisher aber tapfer geblieben. Doch bei diesen Aussichten...

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… ist es dann doch Zeit für die volle Regenpelle. 2 km später geht’s auch schon richtig los, und bis zum Passknacker ist bereits mein rechten Socken nass. Wasserdichter* Socken in wasserdichtem* Frischhaltebeutel in wasserdichtem* Stiefel, ich bin begeistert (*angeblich). Erstes Passknackerfoto heute nach 183 km.

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Nach dem Foto geht’s die 40 km dieses Abstechers wieder zurück, immerhin schön flüssig kurvig und mit wenig Verkehr, und zurück zur E14, die Hauptstrecke Richtung Trondheim. Storlien ist ein kleiner Ort am so ziemlich höchsten Punkt der Strecke, außerdem die letzten Ortschaft vor Norwegen. Der Ort floriert als Einkaufsparadies für zahlungskräftige Norweger hier im Niedrigkostenland Schweden.

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Wir nutzen die Mittagszeit für einen Hotdog, und einen Einkauf, und ich kontrolliere den korrekten Sitz der Frischhaltebeutel: Sitzt korrekt, ist luftdicht, aber trotzdem innen nass. Wenn man mit jedem Schritt mit dem Socken in eine Pfütze tritt hilft das der Laune echt nicht. Aber Christoph macht fette Beute für ein vielversprechendes Abendessen. Dann gibt’s noch „günstigen“ schwedischen Sprit in den Tank - ich konnte Christoph überzeugen, 270 km nicht zu tanken! - und rein geht’s nach Norwegen. Hier gibt’s tatsächlich eine Eisenbahnstrecke parallel zur Straße, die gerade elektrifiziert wird. Hier wird schwedisches Holz in norwegische Papierfabriken transportiert. Wir aber fahren Motorrad. Seit dem Regeneinsatz habe ich mein Handy weggepackt und folge nun blind Christoph, der mit seinem Garmin Montana Urgestein einen Track abfährt, den er daheim basierend auf meiner Route (Reihenfolge der Passknackerpunkte) erstellt hat. Das heißt:

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Schotter! Es ist sogar eine mautpflichtige Privatstraße, für Motorräder aber freundlicherweise kostenlos. Schotter nass mit schlammigen Abschnitten, um genau zu sein. Meine Koffer werden ordentlich dreckig. Dafür lässt der Regen deutlich nach. Wir fahren ein schickes Tal entlang die Straße 705 Tydalsvegen.

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Dort liegt der nächste Passknackerpunkt, aber vorher kommt schon unser Campingplatz, auf dem wir die größte Hütte gebucht haben: Schlafzimmer mit 4 Betten und Wohnzimmer mit Küche und Schlafsofa. Außerdem Ofen mit Kamin und zwei Elektroheizungen, die wir auch alle sofort in Betrieb nehmen, denn die Bude hat 14 Grad und uns ist kaaalt. Nach dem Auspacken und noch der Dusche gibt’s eine Thai-Suppe zum Aufwärmen von innen. Nach der Dusche frische Tortellini mit Käsefüllung an Tomatensoße. Christoph gefällt sich in der Rolle als Koch und ich freue mich darüber sehr.

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413 km heute, nein es hätte keine kürzere Strecke gegeben, auch nicht mit Enduros

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86,4% Norwegen, 61% Schweden. 1206 km bis Oslo.
Unsere Hütte liegt echt malerisch, und ist nachts wirklich putzig anzuschauen. Wir haben kräftig eingeheizt, weil es drin nur 13 Grad hatte und wir vom Regen ganz schön durchgefroren waren.

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Dafür eines der schönsten Fotos dieser Reise.

22.08. Von Norwegen auf die wirklich höchste Passstraße von Schweden

Dead (* 16. Januar 1969; † 8. April 1991 in Kråkstad), bürgerlich Per „Pelle“ Yngve Ohlin, war ein schwedischer Musiker. Er war Gründungsmitglied der einflussreichen Death-Metal-Band Morbid, sowie von 1988 bis zu seinem Tod Frontmann und Sänger der Black-Metal-Band Mayhem. Die Mitglieder von Mayhem beschrieben Dead als introvertiert, depressiv und seltsam; unter anderem sammelte er tote Tiere, atmete deren Verwesungsgeruch ein und neigte zu autoaggressivem Verhalten. Dead prägte die Entwicklung von Mayhem erheblich, nahm aber nur wenige Stücke mit der Band auf. Im Laufe der ersten Jahre nach seinem Suizid entwickelte er sich zu einer der größten Kultfiguren der europäischen Black-Metal-Szene.

Nach einer unruhigen Nacht auf einem eher harten Sofa, dass mir beim Einschlafen noch groß genug ist, im Laufe der Nacht aber zu klein wird, und vielleicht dank das übertriebenen Einsatzes von Brennholz, geht die Sonne zu einer normalen Zeit auf und wir beginnen mit guter Laune unser Tageswerk, denn heute ist gutes Wetter angesagt und es geht wieder in die Berge, ganz ohne Europastraßen. Nachmittags kommt eine Regenschauerzone von Norwegen her, das könnte man aber aussitzen. Zunächst besuchen wir die letzten beiden Punkte in Norwegen für heute, Riastvegen und Stugudalfjell. Der erste ist ein Abstecher auf Schotter mit Blick aufs Fjell.

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Wir sind etwas verwirrt davon, dass er als Privatstraße mit Mautpflicht ausgeschildert ist, aber auf der Infotafel fehlt eine Preisangabe für Motorrädern. Dann wird es wohl kostenlos sein? Wenige Kilometer später passieren wir schon die Grenze nach Schweden. Der Grenzübergang selbst ist ein Passknackerpunkt. Der nächste Punkt in Schweden ist Flatruetvägen, und ist tatsächlich die höchste anfahrbare Passstraße in Schweden mit 975 Meter. Nicht das was ich früher behauptet habe! Der Weg dorthin ist schnurgerade und Schotter, mit guter Aussicht, viel Wind und Kälte trotz der Sonne.

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Man kann ganz schön weit gucken hier.

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Das ist auch die einzige Stelle der heutigen Tour, wo wir nennenswerte Fahrzeuge ohne schwedische Kennzeichen sehen. Alles andere sind Insider :) Es geht allerdings so lange durch Wald, dass wir nicht für Fotos anhalten. Dafür haben wir ca. 20x Rentiere auf der Straße oder neben der Straße auf diesen 50 km der Ostseite des Björnsjöberget. Mittag machen wir knapp abseits der Route bei einem typischen Pizza-Pasta-Burger-Laden. Mein Burger war 4 von 5 Sternen, also sehr gut, aber das Fleisch könnte natürlich immer besser sein, Pommes gut, und die Pizza war auch in Ordnung. Tankstelle und Supermarkt sind auch im Ort, und damit ist der Tagesbedarf schon erfüllt – es geht weiter! Vom angedrohten Regen ist wenig zu sehen, und auch auf dem Regenradar haben sich die Wolken weitgehend aufgelöst. Sehr gut, dann fahre ich weiter ohne Regenkombi und bekomme vielleicht die Stiefel irgendwann trocken. Es geht jetzt 140 km westlich, Richtung Hedeviken. Die Ortschaften und auch die Landschaft sind von Skitourismus geprägt, und weil keine Saison ist, ist wenig los und viel hat geschlossen.

Letzter Punkt des Tages ist eine Holzhütte am Punkt Skärsjövalen, Sogar hier oben am Berg, nur über Schotter zu erreichen, stehen alle 100 Meter Holzhütten. Das sind definitiv mehr als 2 Einwohner pro Quadratkilometer.

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Danach geht’s zur Unterkunft, und das zieht sich dann doch wieder. Wir sind ja nichts mehr gewöhnt! Diese 66 km kommen uns länger vor. Den Autos hinter uns anscheinend auch, denn sie überholen uns, obwohl wir bereits Tempolimit fahren! Den Vogel schießt dabei ein Polizei-Volvo ab (ohne Blaulicht), der ungefähr das doppelte des erlaubten fährt und 15 Minuten später anscheinend sinnlos am linken Straßenrand parkt.

Unsere Unterkunft ist eine Ferienwohnung in einem ziemlich toten Skiressort am Fuße der Skipiste. Es ist kein Personal da, aber der Weg zwischen all den Gebäuden ist gut ausgeschildert. Wir finden eine Walk-in-Rezeption, dort einen Umschlag mit meinem Namen, darin eine Wegbeschreibung zum Gebäude und einen Schlüssel. Das Gebäude erinnert an ein Motel, man kann also direkt an der Wohnungstür parken. Für knapp unter 100 Euro gibt’s hier 2 Schlafzimmer, Bad und ein Wohnzimmer mit Küche und insgesamt 5einhalb Betten. Kann man nicht meckern! Die Auslastung ist sehr gering, wir sehen nur 3 andere Autos. Die Bude hat einen Trockenschrank für nasse Skiklamotten! Da kommen gleich mal meine Stiefel rein! Die sind immer noch nicht trocken, diese verfluchten Mistdinger. Abendessen ist heute kalt, wir hatten ja mittags schon was warmes.

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435 km heute

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88,1% Norwegen, 77,8% Schweden. 777 km bis Oslo.
23.08. Das Ende von Schweden

Das schwedische Gesellschaftssystem und die politische Kultur Schwedens wurde vor allem in den 1970er Jahren unter dem Begriff „Schwedisches Modell“ zusammengefasst. Die skandinavischen Länder finanzieren im internationalen Vergleich hohe umfassende Sozialleistungen, eine intensive Bildungspolitik und eine sehr hohe staatliche Forschungsförderung über Steuern. Daraus ergeben sich die Verwirklichung sogenannter Wohlfahrtsstaaten und eine hohe soziale Sicherheit für die Bürger. Konsenspolitik: Der politische Entscheidungsprozess in Schweden ist angeblich geprägt vom Willen, in wichtigen Fragen eine so große Übereinstimmung wie möglich zu erreichen. Die starke Gesellschaft bezeichnet einen starken öffentlichen Sektor, der soziale Gegensätze und Probleme lösen und damit zum Ausbau der Demokratie beitragen sollte. Die übergreifende Gesellschaftsplanung und die Reformprogramme erforderten auch ein hohes Maß an Zentralisierung. Der öffentliche Sektor Schwedens war Anfang der 1990er Jahre der größte der Welt im Hinblick auf Steuerquote, Anteil am Bruttosozialprodukt und dem prozentualen Anteil der Angestellten im öffentlichen Bereich an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen. Korporativismus: Die großen Interessenvertretungen, und darunter vor allem die Sozialpartner, haben die Möglichkeit, in allen Stadien am politischen Entscheidungsprozess teilzunehmen. Es kommt damit zu einer Integration dieser Organisationen in die staatliche Tätigkeit. Wohlfahrtsstaat: Ein wichtiger Aspekt der schwedischen Wohlfahrtspolitik ist, dass die Sozialleistungen universell sind, d. h. ohne Bedarfsprüfung für alle gelten. Das schwedische Sozialsystem erfasste schließlich alle, vom Kleinkind (über die kommunale Kinderfürsorge) bis zum Rentner (über die kommunale Altenfürsorge).

Schweden hat das vierzehnthöchste Pro-Kopf-BIP der Welt und belegt in den Bereichen Lebensqualität, Gesundheit, Bildung, Schutz der bürgerlichen Freiheiten, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Einkommensgleichheit, Gleichstellung der Geschlechter und Wohlstand einen sehr guten Platz.


Nach einer erholsamen Nacht in getrennten Schlafzimmern beginnt der Tag angenehm entspannt. Die Wetteraussichten sind vormittags trocken, nachmittags kleine Schauer möglich. Christoph fährt aus Kälteschutzgründen mit Regenkombi los, ich setze auf die Membranen. Der erste Passknackerpunkt kommt auch gleich nach 23 km, Högvalen:

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Weiter geht’s übers Fjell in zunehmend trüben Himmel hinein.

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Es wird auch mal wieder klarer...

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… aber der Trend ist klar. Rein in die Regenkombi und möglichst nicht das Helmvisier von innen nass werden lassen! Das Handy wird zunächst in eine Frischaltetüte eingepackt, aber das flattert so arg, dass es kaum noch abzulesen ist. Also kommt es in die Tasche und Christoph spielt den Navigator. Dank Intercom klappt das sehr gut, auch wenn er keinen perfekten eingebauten Tempomaten hat – muss ich halt Abstand halten und etwas hin und her justieren.

Mittags versuchen wir noch Zeit zu schinden, weil die Regenwolken laut Regenradar nach Norden durchziehen, aber da hilft keine Spaghetti Bolognese, kein Einkauf und kein Tankstopp, wir fahren weiter in den Regen. Dass die Punkte Översjökölen und Kräckelbäcken echt deutlich abseits von Rest liegen, fahrerisch und landschaftlich eher uninteressant sind, hilft da auch nicht wirklich. Es gießt in Strömen. Unsere Regenklamotten halten dicht, unsere Handschuhe saufen langsam ab, und mein rechter Socken fühlt sich trotz Gefrierbeutel auch schon komisch an. An einer Schutzhütte rasten wir kurz, zum trinken und zum Wechsel des Gefrierbeutels rechts. Das Regenradar spielt weiter unschuldig, leider hat die Realität andere Pläne. So geht’s auf die vorletzte Etappe heute, zum Högfjället, dem letzten Punkt in Schweden! 110 km sind das, es regnet weiterhin. Baustellenschildern warnen vor irgendwas. Tatsächlich werden an der Straße 1024 gerade die Wasserrohre quer unter der Straße erneuert. Dazu gibt es hin und wieder 10 Meter Schotter. Okay. Es gibt auch Baustellenampeln, naja. Die Beschilderung führt dann auf Schotter neben der Straße, einspurig, und eher so grob wie unter Eisenbahngleisen. Da komme ich schon ins Schwimmen und bin gerade sehr froh, keine Goldwing unter Gesäß zu haben. Tipp: Von Älvdalen nach Sälen gibt es auch eine nördliche Strecke, die wäre laut Google Maps sogar nur eine Minute langsamer gewesen. Wir haben den Abenteuertrack. Dafür fährt hier sonst kein Motorrad und auch kein Wohnmobil oder gar Wohnwagengespann. Hinter Sälen sind dann schon wieder mehr Norwegen als Schweden unterwegs, denn es geht auf ein weiteres grenznahes Einkaufsparadies zu. Auch wir planen, dort vollzutanken. Aber erst erreichen wir endlich das Högfjället, bzw. das Hotel, das dem Passknacker als Nachweismotiv dient. Endlich!

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Damit habe ich den Passknacker Landespreis Schweden geschafft! Große Erleichterung! Jetzt nur noch raus aus dem Regen. Unsere Unterkunft ist heute in Norwegen, bald nach der Grenze, eine Hütte auf einem Reiterhof. Der Besitzer hat sie bei Bunk-a-biker inseriert und war gestern Abend und heute Mittag telefonisch erreichbar und aufgeschlossen. So rollen wir auf seinen Hof, er kommt aus seinem Haus, begrüßt uns freundlich und führt uns mit einem kompletten Blech „zu viel gemachter“ Pizza zur Hütte, die wir kostenlos für die Nacht nutzen können. Da sagt man: Dankeschön! Hier, ein Sixpack Bier für dich! In der Hütte läuft bereits ein Heizlüfter und ein WLAN Access Point, außerdem gibt’s einen kleinen Ofen mit einer Kiste Holz. Die Hütte ist eigentlich zwei seitlich miteinander verbundene alte Wohnwagen, komplett ausgestattet und mit Holz verkleidet. Während der Saison wohnen hier wohl Mitarbeiter. Wir sind fett zufrieden und froh, aus dem Regen raus zu sein. Zur Feier des Tages gibt’s den restlichen Whiskey Cola, und dabei machen wir uns über die Pizza her. Gut dass wir zum Abendessen nur belegtes Brot geplant hatten.

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445 km heute

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88,1% Norwegen, 100% Schweden. 361 km bis Oslo.

Morgen ist der letzte gemeinsame Tag von Christoph und mir. Ich fahre über ein paar Passknackerpunkte nach Oslo und mache dort 3 Tage Urlaub vom Urlaub. Das war grundsätzlich so geplant, dass es ganze drei Tage wurden ist ein netter Nebeneffekt des glatten Ablaufs bisher. Christoph treibt sich lieber weiterhin auf dem Motorrad rum, begleitet mich aber weiter bis zum letzten norwegischen Passknackerpunkt auf dem Weg.
24.08. Norwegischer Wiedereintritt

Øystein Aarseth (* 22. März 1968 in Egersund, Norwegen; † 10. August 1993 in Oslo), besser bekannt unter dem Pseudonym Euronymous, war Gitarrist der Black-Metal-Band Mayhem, Gründer und Inhaber des Labels Deathlike Silence Productions sowie des Plattenladens Helvete (norwegisch „Hölle“). Euronymous wird als „Vater“ der Black Metal-Bewegung angesehen, deren Ideologie er ebenso entscheidend prägte wie das typische norwegische Black-Metal-Riffing. Nach Deads Suizid eröffnete Euronymous den Laden Helvete, in dem sich die Mitglieder der norwegischen Szene trafen. Von dieser gingen einige Kirchenbrände und sonstige kriminelle Akte aus, sodass sie ins Visier der Medien kam, denen zufolge diese Szene eine von Euronymous und Varg Vikernes angeführte Organisation namens Svarte Sirkel (‚schwarzer Kreis‘) gebildet habe, deren Zentrum Helvete sei. 1993 wurde Euronymous vom damaligen Mayhem-Bassisten Varg Vikernes ermordet. Vikernes wurde verhaftet und später zu 26 Jahren Haft verurteilt. Schon am Grab von Euronymous beschlossen die beiden verbleibenden Bandmitglieder Blomberg und Stubberud, Mayhem fortzuführen. Das erste Studioalbum von Mayhem wurde 1994 veröffentlicht und gilt als Meilenstein der zweiten Black-Metal-Welle.

Die Nacht in der Hütte im Stockbett über Christoph war nicht sehr erholsamen. Einerseits war's zu warm, andererseits schnarchte irgendwer (oder wir beide?), und Alkohol verhilft mir regelmäßig auch nicht zu erholsamem Schlaf. Meine Stiefel sind weiterhin klatschnass, die Handschuhe, die ich gestern benutzt habe sind noch etwas nass, und da die Koffer undicht sind, ist auch das andere Paar Handschuhe eher feuchtkalt als trocken. Dafür scheint jetzt die Sonne, wenn auch bei erfrischenden 9 Grad.

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So ging's also leicht zerknittert los in den Tag. Ich hatte noch überlegt, nach einem Hochdruckreiniger fürs Motorrad zu fragen, damit ich später keine dreckigen Koffer in die Unterkunft schleppen muss, aber ich habe mich dagegen entschieden, weil bei meinem Glück 100 Meter später eine feuchte Schotterstrecke gekommen wäre. Und siehe da:

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Damit hatte ich recht! Auch Norwegen hat Schotterstrecken. Die Sonne macht zwar gute Laune, aber nasskalte Stiefel eher nicht. Und die Müdigkeit nagt an mir. Und zur Krönung möchte mein Handy auch nicht richtig laden. Die Strecke führt Richtung Oslo, in den Verdichtungsraum entlang der Europastraße nach Trondheim. Hin und wieder schöne Ausblicke auf Frisch- und Salzwasser...

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Ja, es gibt auch einen Fjord, und der ist so breit, dass es nur wenige Brücken gibt..

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Ich bin insgesamt heute eher schlecht gelaunt und freue mich ehrlich gesagt schon drauf, wenn der Tag vorbei ist. Europastraßen mit drängelnden Autofahrern helfen auch nicht wirklich. Und der Abschied von Christoph. Christoph fährt heute vor wegen meinem Handyärger. Ich will Akku sparen, damit ich noch meine Unterkunft finden kann und das, was davor und danach noch so an Großstadt-Driss kommt. Christoph hat interessante Alternativen zu den Hauptstrecken geplant. Für sowas habe ich ja keine Zeit, ich plane immer die schnellste Strecke zwischen den Passknackerpunkten, weil man echt Pech haben kann und dann z.B. endlose Ortsdurchfahrten oder miese Tempolimits hat. Aber heute passt es.

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Mittags tanken wir noch voll und gönnen uns im Vollsortiment-Restaurant nebenan Burger. Dann fahren wir gemeinsam zum letzten Passknackerpunkt vor Oslo und machen dort unser Abschiedsfoto.

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Christoph wird sich noch länger in Skandinavien herumtreiben. Danke fürs Mitkommen und deine tatkräftige Unterstützung! Ohne dich wäre es deutlich schwerer gewesen.

So, nun fahre ich nach Oslo. Ich wollte noch bei Madness Power vorbei. Das ist ein Motorenbauer, der ein sehr gelbes Auto im norwegischen Auto-Film „Børning“ mit einem sehr prominenten Aufkleber versehen hat. Jetzt wo ich ein gelbes Motorrad habe und schon mal hier bin, könnte ich ja nach so einem Aufkleber fragen. Aber jetzt ist Samstagnachmittag, da brauche ich es wohl nicht versuchen, und ich bin echt arg müde heute. Also geht’s direkt zur Ferienwohnung. Nein, es geht’s erst zu einem Cafe in 7 Minuten Fußweg-Entfernung, da soll ich den Schlüssel abholen. Das ist schnell gefunden, und ich kann das Motorrad auf einen toten Winkel zwischen Gehweg und Mülltonnen auf der Cafe-Rückseite abstellen. An der Theke weiß man Bescheid und fragt nicht groß wer ich bin oder um welche Wohnung es geht. Okay für mich. Wieder rauf aufs Moto und ab zur Unterkunft. Die Hausnummer kann man von der Straße aus nicht sehen, aber eine Treppe rauf findet sich der Eingang im Innenhof. Als ich den Helm abnehme, setzt natürlich Regen ein. Ich muss 3x laufen, um alles Gepäck hochzubekommen, wobei ich versuche, den gröbsten Dreck an einer Wiese abzuwischen. Ich lege ein paar wärmende Schichten ab und suche einen Parkplatz für meine Aprilia.

Und das ist nicht einfach. Bordsteinparken ist in Oslo verboten. Der Parkraum im gesamten Stadtbereich ist bewirtschaftet. Von 9-20 Uhr zahlt man ca. 30 Euro. Das macht dann runde 70 Euro für meine Aufenthaltsdauer. Private Parkhäuser haben zwar Motorradstellplätze, berechnen die aber genauso pro Stunde wie Autoplätze, und zwar teurer als an der Straße. Es gibt ausgeschilderte Motorradstellplätze am Straßenrand, die kostenlos sind. Das sind aber nicht viele, und richtig einfach zu finden sind die auch nicht. Man kann auf einer Online-Karte der Stadt Oslo herum scrollen, da werden sie angezeigt. Die Anschrift erfährt man nur, wenn man noch weiter rein zoomt. Der nächste Motorradstellplatz ist nur 300 Meter von der Unterkunft, aber leider völlig überlaufen, und 2 Motorräder haben bereits Strafzettel über 80 Euro am Tankdeckel klemmen. Ich fahre etwas die umliegenden Straßen ab und suche dabei nach geparkten Motorrädern. Einige stehen krumm und schief zwischen Autos und Hauswand, oder unterm Balkon des Erdgeschosses, das sieht aber alles so aus, als sollte man dort dann auch wohnen bzw. auf seinem Privatgelände parken. Hmmm. Vielleicht mal jemanden bei Bunk-a-Biker fragen, ob ich dort parken könnte? Es gibt „Bunker“ in Oslo, aber sehr viel weiter außerhalb. Also fahre ich noch weitere ausgeschilderte Motorradstellplätze ab und habe Glück. Mein Motorrad steht jetzt legal kostenlos an der Straße, und in der Parkbucht war nur ein weiteres Motorrad, und das sogar unter einer Plane. Ich fülle noch den Inhalt des Benzinkanisters in den Tank, so dass keiner auf dumme Ideen kommen kann, wobei ich mir die Finger richtig schön einsaue – der sitzt ja im Spritzbereich.

So, und wie komme ich jetzt zur Unterkunft? 25 Minuten laufen oder 10 Minuten Straßenbahn. Na dann, ab in die Öffis! App installieren, Fahrplanauskunft, Account anlegen, Kreditkarte hinterlegen, zur Haltestelle laufen und 4 Euro später bin ich daheim. Der Spaß hat insgesamt ca. 60-90 Minuten gekostet, aber ebenso viele Euros gespart. Öffis hätte ich die nächsten Tage eh gebraucht. Es gibt auch Hotels mit Parkhaus, aber die nehmen gern das doppelte fürs Zimmer und dann noch zusätzlich Geld fürs Parken, wenn man nicht Glück hat. Und nein, weiter außerhalb wird’s nicht günstiger, außer man geht gleich wieder auf einen Campingplatz.

Oslo als Großstadt ist also nicht einfach mit dem Motorrad. Immerhin ist man von der City-Maut befreit. Aber genug des Ärgers, das war online erkennbar und planbar. Meine Ferienwohnung ist schlicht, aber modern, hat eine große Wohnküche mit Sofa und Klappbett, außerdem ein eigenes Bad mit Dusche, Waschmaschine und einen Fön. Dusche und Fön werden sodann benutzt, dann geht’s ans Einkaufen und ich werfe einen ersten Blick auf das kulturelle Angebot heute Abend, wobei die Müdigkeit heute schon sehr präsent ist.

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330 km heute

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91,5% Norwegen, 100% Schweden. 545 km bis Kristiansand.

Nun habe ich 3 Nächte Aufenthalt in Oslo, also 2 Tage Freizeit ohne Motorrad. Damit ist hier wohl erst mal kurz Pause in diesem Reisebericht. Dienstag und Mittwoch geht’s nach Kristiansand, Donnerstag zu Merlin, Freitag ins Sauerland, und Sonntag dann nach Hause.