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Landespreise Norwegen und Schweden 2024

Berichte von euren Reisen und Abenteuer beim Pässe knacken
Mo 05.08. Vossvangen Rundtour

Heute gibt’s eine Rundfahrt mit leichtem Gepäck bei gutem Wetter. Ich hatte meine Stiefel über Nacht in einen Trockenraum gestellt und staune morgens nicht schlecht, dass dieser abgesperrt ist. Mit Nachfragen an der Pforte komme ich aber weiter. Ansonsten hätte ich auch durch ein offenes Fenster im 1. Stock einsteigen können, oder die Tagestour mit Turnschuhen fahren können.

Es geht zunächst zum Punkt Espeland, und dann immer den Eidfjord entlang. Ohne Packrolle und mit zwei Koffern weniger fühlt sich die Aprilia schon handlicher an, und ich kann auch am dem Sitz etwas nach hinten rutschen. Hier ist zum Glück wenig Betrieb. Es gibt aber eine Baustelle, vor der frühzeitig gewarnt wird. Zunächst auf Blech „Wartezeiten möglich“, dann eine digitale Anzeigetafel „in 7 km Warten bis 10:10“ - wow, was für ein Service! Dort sperrt dann auch ein Arbeiter die Straße ab, und als mit wenig Verspätung der Konvoi aus der Gegenrichtung kommt, wendet das führende Fahrzeug und leitet mich und einige andere durch die Baustelle. Bzw. Baustellen. Hier werden nicht nur Bäume von Felsen oberhalb der Straßen geholt, wenig später wird auch kräftig an der Randsicherung gebaut. Alles in Allem kostet mich das trotzdem etwa 30 Minuten. Dafür hab ich wenig später die ganze Schlange überholt und freie Fahrt :) Diese Brücke hier über einen Seitenarm des Fjords macht echt was her:

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Norwegen ist ein reiches Land und investiert in Infrastruktur. Zum Punkt Kleven nimmt der Verkehr zu, und auf der anderen Seite lande ich auf der Hauptstrecke E16 von Bergen landeinwärts. Das zieht sich lange, bis ich zwei Abstecher in der Route habe: Es geht nach Norden zum Teigdalsvegen. Sehr schmale Straße, ganz wenig Verkehr, nur kurz vorm Ziel zwei störrische Wohnmobile belgischer Herkunft.

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Und dann wieder zurück, die E16 weiter, und einen Abstecher nach Süden, zum Hamlagrovegen. Ebenfalls schmale Strecke, auch nicht reizlos, aber im Vergleich heute nicht das Highlight. Denn das kommt noch: Durch Vossvangen zum Storehaug! Hochalpin, keine Bäume mehr, Wintersportgebiet, wenig Betrieb, viele Kurven, gute Aussicht, wenig Betrieb. Herz, was willst du mehr?

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Und dann bin ich wieder in Vossvangen. Da gibt’s ein Sportgeschäft, und da kaufe ich jetzt wasserdichte Socken! Das klappt auch, ist zwar überraschend teuer, aber besser als nasse Füße oder Stinkesocken durch Tüten in den Stiefeln. Außerdem gibt’s noch einen vollen Tank, einen Einkauf (meine Riegel sind fast alle!) und einen erstaunlich leckeren Burger vom Foodtruck an der Tankstelle.

Zurück am Campingplatz bin ich sehr zufrieden und gönne mir eine Dusche, die hier leider 10 Kronen kostet, zu zahlen per 10 Kronen-Münze, die man aber an der Rezeption mit Kreditkarte kaufen kann. Neues von der Technik: Heute hatte der Bildschirm meines Navi-Handies Samsung S8 zwischendurch einen leichten Grünstich, jetzt ist alles grün, verwaschen, verrauscht.

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Eigentlich schade! Kurze Recherche ergibt, dass ich nicht der Erste mit dem Problem bin, dass es sich bei anderen Menschen aber schon von selbst geheilt hat. Alternativ kann ich noch mein Haupthandy nutzen. Dann brennt sich OSMand zwar ins Display ein, aber das kann man umgehen oder nach der Reise austauschen. Ebenfalls Technik, mein Hinterreifen verliert langsam, aber stetig Luft. Es ist keine Beschädigung zu sehen. Alle 2-3 Tage Luft nachfüllen reicht, wobei es echt blöd zu erreichen ist, noch ohne Eckventile.

Morgen geht’s deutlich nach Norden und mit etwas Ausdauer bietet sich da auch wieder eine Doppelnacht an. Christoph ist inzwischen auf der Fähre nach Kristiansand und versuchen unseren Treffpunkt und -ort abzustimmen.

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360 km heute, 44,1% Norwegen

Passknacker Fortschritt:
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Di 06.08. Vestland

Heute geht’s mit Gepäck nach Norden. Ich bleibe in der Region Vestland (Westland), setze aber per Fähre über den Sognefjord über. Auf der anderen Seite sind für heute drei Passknackerpunkte, und der nächste Campingplatz mit einer weiteren Hütte für zwei Nächte. Mein Navihandy hat sich leider nicht über Nacht erholt, also muss das Haupthandy ran. Damit OSMand sich nicht in den Bildschirm einbrennt übertrage ich die Wegpunkte einzeln in Google Maps. Zum Glück kann man in OSMand die Koordinaten von Favoriten in die Zwischenablage kopieren. Google Maps darf mich dann navigieren mit seiner OLED-Bildschirm-freundlicheren Darstellung ohne schwarze Kanten.

Zunächst muss ich aber einpacken, und nach zwei Nächten dauert das länger als nach einer Nacht. Ich komme trotzdem einigermaßen zeitig los, und das ist auch gut so, denn später am Nachmittag sind Regenschauer möglich. Ich bin hier sehr nah am Atlantik. Es geht schon wieder durch Vossvangen, auf die E16, wo ich Glück im Verkehr habe – da ist nix los, zumindest in meine Richtung. Ich Gegenrichtung hätte ich schon den Kaffee auf. Der erste Punkt heißt Fyordsvegen, und tatsächlich fahre ich bald hunderte Kurven den Fjord entlang. Kann man echt nicht klagen. Es sind auch idyllische Ortschaften dabei.

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Fun Fact: Norwegen hat durch die Fjorde etwa 100.000 km Küstenlinie. Ohne die Küsten wären es nur 2500 km. Es gibt da unterschiedliche Messmethoden, aber die meisten sind sich einig, dass Kanada die längste Küste hat, und dass Norwegen da weltweit auf Platz 7 liegt. Aber das ist Theorie.

In der Praxis ist die Straße hier schmal, es ist sehr wenig los, insbesondere sind keine Camper unterwegs. Wer hier sonst noch fährt, lässt mich innerhalb von 2 Minuten vorbei. Es gibt natürlich auch wieder viele Tunnel, und manche davon sind unbeleuchtet, was mit verspiegeltem Visier eher suboptimal ist. Aber man kann es ja öffnen, denn im Tunnel regnet es nicht. Es tropft höchstens.

Ich staune nicht schlecht, als ich danach auf die nächste Europastraße einbiege: Das war gar nicht der Passknacker? Nein, das war die nordöstliche Umfahrung von Osteröy. Okay, wow. Danke an Google Maps! Alternativ wurde sogar der Weg über den Teigdalsvegen vorgeschlagen, aber da war ich ja gestern schon. Stellt sich raus, das hätte ich auch heute machen können. Naja. So, jetzt aber wirklich, es geht rechts runter von der E39 und dann nur ohne weitere Abbiegemanöver zum Passknackerpunkt Fyordsvegen. Hier sind ein paar ordentlich Kurven drin und man fährt durch Gebirgslandschaft. Am Scheitel mache ich das obligatorische Foto und stelle fest, dass sich mein Haupthandy in der SP Connect Halterung etwas merkwürdig verhält: Es hat reichlich Spiel beim Drehen. Das ist nicht gut. Die Drehmechanik ist sehr kleinteilig und nicht zu reparieren. Auch die Nordseite ist recht schick.

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Dann erreicht man dann den Sognefjord, und bald kann ich schon die Fähre sehen. Diese Fähre fährt im Sommer alle 20 Minuten, zur Hochsaison sogar alle 15 Minuten. Ganz kurz vor der Fähre treffe ich wieder auf die E39 und was bin ich froh, dass ich mich nicht in diese Kolonne einreihen musste. Ich muss nur eine Minute warten, dann kann ich ohne weitere Formalitäten auf die Fähre drauf fahren. Mein Kennzeichen habe ich vorher bei ferrypay.no registriert, meine Kreditkarte hinterlegt, da wird dann einfach automatisch abgebucht. Ich verbringe die Überfahrt oben und gucke etwas in den Fjord. Und auf die Gegefähre.

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Dabei fällt auf, dass aus der Rückseite meiner SP Connect Handyhülle ein Stück Dreht rausguckt, zwischen dem äußeren Ring und der Hülle. Ich nehme das unvermeidliche vorweg und entferne den Draht. Die Hülle gibt sich unbeeindruckt. In dunkler Vorahnung aktivere ich meine Kontakte, mir einen Laden zu finden, wo ich eine neue Hülle kaufen könnte. Christoph ist ja unterwegs zu mir und kommt ggfs. an Läden vorbei. Manuel darf daheim recherchieren und liefert mir einen Motorradladen in Förde, der SP Connect führt. Leider kann man da nicht anrufen und fragen, ob's genau diese Hülle für genau mein Handymodell auf Lager gibt, denn es geht niemand ans Telefon. Hmpf. Naja. Zurück zum Motorrad, man spricht mich an: Schon bezahlt? Ja, online! Nein, hat nicht geklappt. Dann eben Karte. Wäre ja langweilig, wenn das mal klappen würde.

Die Fähre landet an, weiter geht’s! Der erste Passknacker auf dieser Seite des Fjords ist nur 2 km von der Fähre entfernt. Damit entfällt das lustige „ich überhole alle von der Fähre und habe dann frei Fahrt“-Spiel. Im Gegenteil, als ich nach dem Punkt wieder zurück an der Hauptstrecke bin, landet gerade die nächste Fähre an, und ich habe so lange freie Fahrt, bis ich die ersten eingeholt habe, die vor 15 bzw, 20 Minuten ausgeladen wurden. Es sind 87 km bis zum Gaularfjellet. Hier kommt man Bergen, Wäldern, Seen vorbei. Alles sehr schön, aber auch alles schonmal so ähnlich gesehen.

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Um Fotos zu machen, muss ich die Mechanik in der Handyhülle strapazieren, dass will sorgfältig überlegt werden. Wenn die versagt gehen mir langsam echt die Optionen aus. Punkt eintüten, weiter – bzw. zurück, Rorvikfjellet ist wieder westlich. Es geht ein paar Kehren hoch, ganz nett zu fahren, schöne Seen unterwegs.

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Auf der anderen Seite liegt die Stadt Förde, mit dem Motorradladen, da fahre ich jetzt hin. In der Stadt ist um 16 Uhr Reichlich betrieb. Der Motorradladen ist schnell gefunden, er schließt wie viele andere kleinere Geschäfte übrigens schon um 16:30. Er hat SP Connect im Sortiment, aber nichts auf Lager. Schade! Hat er einen Tipp? Trondheim, Laden finden, vorher anrufen und Teil bestellen lassen. Klingt nach einem Plan, da bin ich Freitag ja eh. Gibt's hier eigentlich Hosenträger? Ja, aber nicht die passende Variante, aber es gibt einen Laden für Arbeitskleidung hier links, rechts, fertig. Also los: Ja, Hosenträger gekauft. Damit die weite Hose schön oben bleibt, damit nichts rein läuft, und damit ich endgültig wie ein Adventure-Biker ab 60 wirke.

Für heute ist alles geknackt, es geht zum Campingplatz, mit einem Stopp am Supermarkt für etwas Abwechslung beim Abendessen. Restaurants und Takeaway sind leider nicht in der Nähe. Der Campingplatz kommt ohne Personal aus, dafür ist er sehr günstig. 450 NOK für eine Hütte deluxe mit fließend Wasser, Küche, fernseher, Sofa, Dreh- und Schaukelsessel, aber leider auch Kühlschrank und Tiefkühltruhe, die um die Wette brummen. Und soviel Eis wie drin packt taue ich die auch nicht ab.

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Heute kann ich nicht über instabiles WLAN klagen, denn es gibt hier kein WLAN. Buh! Ist das überhaupt legal? Ja, ich kann mobile Hotspot, aber ich wollte mein Datenvolumen nicht vorzeitig verbrauchen. Das brauche ich durchaus auch unterwegs. Norwegen ist leider nicht sehr großzügig bzw. günstig bzgl. SIM-Karten für Touristen.

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405 km heute

Die Aprilia zeigt heute einen Schraubenschlüssel im Display an. Das könnte damit zusammen hängen, dass ich die 10000 km überschritten habe. Immerhin habe ich den Schalter gefunden, der das Tagfahrlicht durch Abblendlicht ersetzt: "Sicherheitsmodus" heißt das, und sorgt neben besserer Sichtbarkeit auch schon auf den ersten Metern im Tunnel für gute Sicht.
Mi 07.08. Vestkap

“Das Leben ist eine Achterbahn. Genieße die Höhen, halte durch in den Tiefen und hab keine Angst vor den Kurven.”

Heute geht’s ohne Gepäck zum Westkap. Da nachmittags Regen angesagt ist, mache ich mich früher auf die Socken. Hell genug ist es ja schon. Der Werk zum Westkap ist gepflastert mit unzähligen Kilometern E39, dann 3 kleinen Passknackerpunkten, und dazwischen einer Fähre. Los geht’s mit einer positiven Überraschung, das Navihandy Samsung S8 funktioniert heute wieder. Nach einer Stunde ist die Fähre erreicht und ich kann direkt drauf fahren. Klasse Service.

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Heute funktioniert das Bezahlen der Fähre per Vorabanmeldung. Es stellt sich heraus, dass man bei der Erstanmeldung zwar nach seinem Nummernschild gefragt wird, man es danach aber nochmal bearbeiten muss, wenn es kein norwegisches ist. An dieser Stelle übrigens nochmal der Hinweis auf die saumäßige Datenstruktur deutscher Nummernschilder. Wer sich nicht für Datenstrukturen interessiert, kann diesen Absatz überspringen. Nicht nur, dass wir als einzige Nation im Europa Umlaute bzw. diakritische Zeichen aufs Schild prägen, nein, wir haben auch noch einen unsichtbaren Trennstrich. AB C 123 ist ein anderes Schild als A BC 123. Aber nicht für elektronische Systeme in ganz Europa, die verarbeiten nur ABC123. Und es ist nicht klar, wo Buchstaben und Ziffern stehen. Viele Länder haben feste Gruppen von Buchstaben und Ziffern. Schweiz und Norwegen: Zwei Buchstaben, danach Ziffern. Schweden: Drei Buchstaben, dann Ziffern. Und wir so: FÜ-IO10, viel Glück beim Lesen :) Aber ich schweife ab.

Ich fahre Motorrad. Die Straße ist frei, ich war hier noch nie unterwegs, es ist noch trocken. Es sieht zwar dauernd so aus, als würde gleich der Regen losgehen, aber es kommen nur einzelne Tropfen runter. Die Membranklamotte reicht. Die Regenkombi fährt mit. Die Snacks habe ich leider in der Hütte vergessen. Diese drei Passknackerpunkte sind durchaus nett. Man fährt über ein Fjell (Hochebene)...

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… dann mal wieder Blick auf den Fjord...

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Das Westkap ist wesentlich weniger bekannt als das Nordkap, aber immerhin ist es ausgeschildert. Es gibt dort auch ein Cafe und Übernachtungsmöglichkeiten mit spektakulärer Aussicht. Man hat freien Blick auf die Atlantikküste und über die ersten Fjorde. Hier nehme ich mir auch Zeit für etwas Bildaufbau beim Fotografieren, Stein unterm Seitenständer usw.

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Zurück zum Straßennetz hat man diese Aussicht auf die Fjordlandschaft.

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Da kann man echt nicht meckern. In nächsten Leben werde ich hier Schaf. Man sitzt den ganzen Tag im Essen rum, hat ein kuschliges Fell, darf lange Haare tragen ohne schräg angeschaut zu werden, und man muss nur einen Tag im Jahr arbeiten. Allerdings kann man als Schaf nicht Motorrad fahren. Für mich geht’s zum Heggjalsvegen, das ist ein netter kleiner Schleichweg für Einheimische und eine willkommene Abkürzung auf dem Weg zum Aldalsvegen.

Jetzt geht der Regen los und ich lege die Regenkombi an. Dann geht's aus Sicherheitsgründen an allen PKW vorbei, ich will ja keine Gischt, und im nächsten Fjord ist es dann schon wieder trocken und zu warm für die Regensachen. Also weg damit, Einkauf, volltanken, und planmäßig ab nach Hause bzw. zurück zur Hütte. Fjord im Sonnenschein sieht unverschämt gut aus.

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Das Navihandy Samsung S8 funktioniert jetzt nicht mehr, sondern zeigt wieder abstrakte grüne Bilder an, aber ich habe ja noch mein Haupthandy S20FE, und die Mechanik in der Hülle scheint zu halten. Irgendwo liegt auch ein Kreuzfahrtschiff. Bei dem kleinen See da hinten ist übrigens mein Campingplatz "Gasemyr", den ich empfehlen kann: Günstig, simpel, aber alles nötige ist da, Dusche ist kostenlos. Nur WLAN fehlt.

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Fun Fact: Der Aprilia Bordcomputer meldet einen Durchschnittsverbrauch von 3,7 L/100 km. Das macht bei 18 Litern Tankinhalt satte 486 km Reichweite. Und der eine Liter aus dem Kanister trägt mich dann noch 27 km weiter. Tempomat auf 80 km/h GPS spart wohl Sprit, und/oder die Tuareg ist effizienter als meine bisherigen Motorräder.

Weil ich der Mechanik in der Hülle meines Haupthandies nicht vertraue, versuche ich eine neue Hülle zu beschaffen und habe heute zu diesem Zweck 8 Motorradgeschäfte in Trondheim angerufen, und dabei insgesamt Null Menschen erreicht. Mit einem Geschäft gab's Email-Kontakt: „Haben wir nicht“. Nördlich von Trondheim kommt keine große Stadt mehr, und meine Route ist auch so gestaltet, dass mich wohl keine Postsendung einholen würde, außer Luftpost. Ich gebe die Beschaffung also auf und hoffe dass es hält, und wenn nicht, wird eben mit Kabelbindern geferkelt, in der Hoffnung, dass mein Haupthandy nicht verloren geht.

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388 km heute, 53% Norwegen

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@ometa
Bis jetzt überall super Netz, auf den Passhöhen im Nirgendwo aber teilweise keine Datenverbindung.
Do 08.08. Geiranger

Der ist mächtig, der vorwärts will.

Heute geht’s mit Gepäck zum Geiranger und dann hoch zum Atlantik, möglichst bis Kristiansund (unterscheide: Kristiansand, das liegt an der Nordsee). Es ist gemischtes Wetter angesagt, aber ich vertraue auf die Membran. Die Hütte zu räumen dauert länger als gedacht, und so rolle ich erst 9:20 vom Platz. Meine drei Koffer sind zwar praktisch, aber ein großer wäre noch praktischer, und wenn ich nicht auf Gewichtsverteilung achten müsste, könnte ich einfach alles Übernachtungszeugs in einen Koffer werfen. Mimimi.

Der erste Punkt heute ist der Gamle Strynefjellsvegen. Gamle kommt vom Gammel und heißt alt. Fjell heißt Hochebene. Es gibt also eine neue Straße parallel, und ich fahre durch einige Kehren die Hauptstrecke, bis der Abzweig kommt. Ein Gruppe von 20 italienischen Motorradfahrern fährt gerade los, nimmt aber zum Glück den Tunnel. Der Gammelweg ist optisch durchaus nett.

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Das Grau(en) liegt zum Glück hinter mir

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Am höchsten Punkt gibt’s ein Hotel. Für mich geht’s weiter, und dann die Hauptstrecke wieder zurück. Leider ist die komplette Ostseite des Gamle Strynefjellsvegen unbefestigt und stellenweise auch etwas aufgeweicht. Ich suche den Schotter, bin aber sehr froh, keinen reinen Straßenreifen aufgezogen zu haben. Diese 20 km sind aber ziemlich zeit- und kräfteraubend. Auf der Hauptstrecke ist dann sogar Tempo 90 erlaubt, normalerweise ist das Tempolimit ja nur 80, so wichtig ist der Geirangerfjord. Zuvor gibt’s noch einen Aussichtspunkt, mautpflichtig geht’s zum Dalsnibba hoch. Leider regnet es, und nicht nur ein bißchen. Foto muss trotzdem sein.

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Schon wieder ein Kreuzfahrtschiff. Die Sackgasse wieder runter und weiter, hört der Regen auf. Dabei gelingt mir dieses Foto:

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So intensiv hatte ich das noch nie! Weiter unten ist eitel Sonnenschein.

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Mein Membranhose hat zwar versagt, aber ich fahre mich langsam aber sicher wieder trocken. Ich fahre vorsichtig, denn der Straßenbelag ist hier erstaunlich holprig. Bisher war der in Norwegen wie geleckt. Nächster wesentlicher Punkt ist der Trollstigveien, auch bekannt als Trollstigen, wahrscheinlich Norwegens bekannteste Touristenstraße, sozusagen das Stilfser Joch des Nordens. Leider ist die Nordseite gesperrt, aber die Passknacker kennen keine Gnade, anfahren „muss“ ich ihn trotzdem. 70 km Umweg. Aber ich bin zum Motorradfahren hier, und schon der Weg ist schön.

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Mangels Durchgangsverkehr ist wenig los. Den Ausguck habe ich fast für mich alleine.

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Dann geht’s dann ganzen Weg wieder zurück, und über Hauptstraßen weiter nach Norden. Und da geht mir irgendwie die Luft bzw. Zeit aus. Die Fähre nach Molde kommt dort erst 17 Uhr an – das reicht doch eigentlich für heute? Eigentlich wollte ich 60 km weiter, bis zum Atlantic Highway, aber der ist morgen auch noch da, und in Molde gibt’s alles, was das Herz begehrt, u.a. ein Einzelzimmer im Hostel zum Preis einer Hütte weiter im Norden, ein indisches Restaurant mit Takeaway, einen Hafen mit Aussicht und einen Supermarkt zum Zeitvertreib während mein Curry kocht, eine Tankstelle...

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Lecker war's, WLAN ist sehr gut, und es gibt einen Fön! Ich kann also meine Socken waschen und trocknen, die ich in den feuchtwarmen Stiefeln getragen habe, bevor ich die wasserdichten Socken gekauft habe...

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„Nur“ 340 km heute, aber viel mehr Verkehr als die letzten Tage, darunter viele Reisebusse.

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57% Norwegen
Fr 09.08. Atlantik, Aursjövegen und andere Abwege

Drei Dinge braucht man zu allem: Kraft, Verstand und Willen.

Im Hostel gibt’s ein Frühstücksbuffet, das war im Preis dabei, also geht’s früh los zum feierlichen Carb Loading, aka soviel essen bis es fast wieder rauskommt. Ich bin heute morgen ein wenig verpeilt und merke auch nach gerade mal einer Stunde auf dem Motorrad schon eine gewisse Müdigkeit, inkl. Gähnen. Das ist kein gutes Zeichen. Nunja, erster Passknackerpunkt heute ist diese berühmte Brücke am Atlantic Highway – definitiv kein Pass, aber sehenswert.

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Hier wurde eine Straße über diverse kleine Felseninseln gebaut, was durchaus eindrucksvoll ist. Man fährt quasi im Meer. Es wird auch gern geangelt. Danach habe ich die Wahl: Durch Kristiansund fahren, oder etwas kürzer direkt weiter? Ich war letztes Mal in Kristiansund, so toll war's nicht, und die Strecke bestand zur Hälfte aus Tunneln. Statt direkt zu fahren, zurück nach Molde und dann links, nehme ich den Weg entlang des Fjordes.

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Weiterer Vorteil: Diese ist Straße Nr. 666! Der Punkt Vistdalsheia ist ein kurzer, aber kurviger Abstecher, der wird eingetütet und es geht weiter! Nein, es geht zurück! Oh nein, den ganzen schönen Weg nochmal! Leider macht der Himmel zu und es wird feucht. Der Blick aufs Regenradar zeigt: Regenkombi lohnt sich heute. Das ist 'ne blöde Zeit dafür, denn jetzt geht’s zum Aursjövegen. Der ist unbefestigt und sehr hoch.

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Das Schild hier weist auf einen Tunnel hin. Das es da drin stockdunkel ist, dass der Boden auch im Tunnel unbefestigt und noch dazu uneben ist, genau wie die Wände, das verrät es nicht. Letzter Blick ins Tal:

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Und dann geht’s auf eine Hochebene, wo der Sturm so tobt, dass andere Motorradfahrer sich nicht mehr weiter trauen. Ich habe Physik durchgespielt und weiß: Je schneller man fährt, desto weniger kann einen der Wind ablenken. Der Boden ist fester Sand mit Kies in der Mitte der Fahrbahn. Man hat also die Wahl zwischen aufschwimmen und wegrutschen. An steilen Stücken gibt es Kaskaden von Querrillen, die meine Traktionskontrolle auf den Plan rufen. Das ist alles schon recht abenteuerlich, aber wenigstens muss ich hier mal wirklich Motorradfahren, statt mit Tempomat sanfte Bögen entlang zu segeln und auf die nächste Kreuzung in 83 km zu warten. Am höchsten Punkt gibt es eine Hütte und einen Stausee. Heute ist raue See.

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Ich fühle mich an den Umständen gemessen sehr wohl. Ich kann hier mit gutem Tempo stabil drüber fahren, weil ich jetzt eine Enduro unterm Bobbes habe und auch geeignete Reifen für den Untergrund. Die wenigen Autofahrer machen brav Platz. Von der kargen Hochebenelandschaft habe ich keine Fotos, erst als es wieder grüner wurde und das Wetter sich langsam beruhigt.

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Ich bin doch froh, in Sondalsora wieder Asphalt zu erreichen und stelle mich auf gemütliches Ausrollen ein. Ich buche mir eine Hütte an einem Campingplatz. Das mit gemütlich Ausrollen wird aber nix, denn vor Oppdal biege ich links ab auf die Passknackerroute, und es gibt noch viel mehr unbefestigte Pisten heute. Wenigstens scheint die Sonne, und ich lege die Regenkombi ab.

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Ich hatte zwei wasserdichte Hosen übereinander an und beide haben versagt. Die Sitzheizung hält mich aber warm. Es geht jetzt auf kleinsten Wegen über den Valaskaret, und dann im Tal eine reguläre Straße zum Asskardvegen. Hier stelle ich fest, dass mein Handy von innen beschlägt, und zwar im Bereich der Kameras. Alles außer Weitwinkel hat jetzt also Nebel eingebaut. Sehr schöne Scheiße! Das ist mein Haupthandy, und da kündigt sich jetzt schon nach 2 Stunden Regen ein Wasserschaden an, dabei habe ich nicht mal die Hälfte der Reise hinter mir. Ich hatte extra ein wasserdichtes Handy gekauft, und auch extra neu statt refurbished, damit es wirklich wasserdicht ist. Diese Lektion habe ich gelernt, nachdem mir ein „wasserdichtes“ refurbished Handy dieses Jahr in Korsika abgesoffen ist. Da konnte ich über Garantie zumindest noch etwas Geld rettet. Aber leider hat das Display meines neuen Handies schon den Fußweg zum allerersten Motorradeinsatz im Tankrucksack nicht überlegt, so dass ich es tauschen lassen musste. Das hat fast das gleiche gekostet wie das ganze Handy als refurbished, und jetzt ist es wieder nicht richtig wasserdicht. Das andere Navi, das eigentlich angedachte dedizierte Navihandy, hat weiterhin einen grün-schwammigen-Display-Logikschaden. Ich bin begeistert – nicht. Nutzt ja nix, morgen komme ich an Trondheim vorbei und werde wieder ein neues Handy kaufen. Das ist dann ja erst das dritte dieses Jahr. Ich hoffe die Feuchtigkeit aus dem Haupthandy verzieht sich wieder, dann kann ich ein reines Navihandy kaufen und muss nicht noch all meine Daten und Apps übertragen. Ansonsten kann ich eigentlich auch gleich zwei neue Handies kaufen... Ich habe vorab keinen Laden in Trondheim gefunden, der SP Connect Hüllen verkauft, also muss es wieder ein Samsung S20FE sein, was nicht einfach wird, weil das Modell 4 Jahre alt ist, oder es muss eine Hülle mit RAM-Mount dabei sein. Ganz ehrlich: So ein Geschiss hatte ich mit meinen China-Navis nicht, und da hing nicht noch mein digitales Leben mit dran. Von dem Geld hätte ich mir auch das dickste Garmin kaufen können, nur kriege ich Anfälle, wenn ich diese Software benutzen muss und Ausschlag, wenn ich diese Hardware vor sich hin ruckeln sehe. Immerhin sind auf den Weitwinkelfotos immer beide Straßenseiten drauf, was vielleicht den Passknacker-Admins hilft.

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Wie man vielleicht merkt, kriege ich richtig gute Laune und stelle fest, dass der gebuchte Campingplatz ein Tal zu weit nördlich ist, so dass ich wohl heute Überstunden machen muss. Immerhin ist die Müdigkeit weg. Also einfach weiterfahren. Immerhin ist hier absolut nichts los, und einheimische Autofahrer überholen mich, wenn ich das Tempolimit beachte, also scheint die Kontrolldichte hier nicht übermäßig hoch zu sein. Die letzten 100 km reiße ich noch runter, mit oder ohne Schotter. 19 Uhr biege ich auf den Campingplatz ein – das ist hier übrigens 3 Stunden vor Sonnenuntergang. Dass die Hütte 700 Meter vom Waschhaus entfernt und ist und dass das genannte WLAN-Passwort nicht funktioniert, auch nicht in 8 Variationen, was auch kaum Zeit frisst, und hinterher kann ich doch Datenvolumen verbrennen, schockt mich heute kaum noch...

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550 km heute und jede Menge Ärger mit den Handies, aber morgen treffe ich Christoph
Sa 10.08. Orkland, Trondheim, Wiedersehen

Fürchte nicht das Ende des Lebens. Fürchte lieber, dass es niemals beginnt.

In der Hütte habe ich gestern Abend noch versucht, mein Handy über Nacht zu trocknen. SIM-Karte raus, Trockenpack aus einer Medikamentendose daneben und beides in einen Vakuumbeutel. Dazu noch einen rechenintensive Aufgabe und ein Ladekabel. Effekt: Null. Naja, hat zumindest auch nichts gekostet. Die unangenehme Überraschung des Morgens sind ausgelaufene Fischdosen in meinem Fressbeutel. Ich habe also vergnügliche 20 Minuten, die Übeltäter zu identifizieren, den restlichen Inhalt und den Beutel zu reinigen. Immerhin hat die Hütte Küchenpapier von der Rolle dabei. Gestern habe auch auf der norwegischen Version von Kleinanzeigen ein  Samsung S20FE ganz in der Nähe gefunden, aber dem Verkäufer kann man nur schreiben, ihn nicht anrufen, und er meldet sich nicht zurück. Was soll's, los geht’s! Zwei Passknackerpunkte einsammeln und dann in Trondheim meinen Handypark retten.

Der erste Passknackerpunkt ist einfach 3 km vom Campingplatz entfernt, aber ich war gestern schon zu fertig. Ytter Svorksjövegen, Haken dran, umdrehen. Es folgen wieder einige Schotterwege, da tüte ich Seterdalen ein – eine unauffällige Wasserscheide.

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Und das war's schon für heute mit Passknacker! Es geht jetzt direkt nach Trondheim. Auf dem Weg liegt noch der Ort, wo der Anbieter des gebrauchten S20FE wohnt, aber er hat weiterhin nicht reagiert. Und jeden ansprechen und mich durchfragen, das ist mir jetzt doch irgendwie zu wild. Zumal viele Norweger eher reserviert auf mich reagieren, was an meinen ausladenden Kopf- und Bart-Haarpracht liegen könnte.

Nach Trondheim rein gibt’s Schnellstraße und sowas ähnliches wie eine Autobahn, vierspurig, mit Tempolimit 100. Kennzeichenscanner kümmern sich um die Maut, aber davon sind Motorräder ausgenommen. Der Handy-Reparatur-Laden ist in einem kleinen Einkaufszentrum. Es sind keine Motorradparkplätze an der Straße, aber auf dem kostenpflichtigen Parkdeck gibt es Motorradparkplätze. Ob die kostenfrei sind, weiß ich nicht. Man kann später online bezahlen. Ich bin im Handyladen der einzige Kunde. Mein Navihandy Samsung S8 bräuchte einen neuen Bildschirm, er hat sogar einen auf Lager, aber es würde umgerechnet 380 Euro kosten. Das Handy selbst ist keine 100 Euro mehr Wert, und nach der OP wäre es nicht mehr wirklich wasserdicht, da passe ich. Er kann aber für 20 Euro mein S20FE trocknen, ohne dass es dadurch noch undichter wird. SP Connect hat er nicht, kennt auch niemanden, aber er kennt ein anderes Einkaufszentrum, wo es mehrere Handy- und Handyzubehör-Läden gibt. Die Wartezeit zum Handytrocknen vertreibe ich mir mit einem fürstlichen Krabben-Ei-Sandwhich aus dem Supermarkt nebenan, dann geht’s unter drohenden Wolken zu besagtem anderen Einkaufszentrum. Samstags um 14 Uhr ist da völlig überraschend die Hölle los, Autofahrer kämpfen mit vornehmer nordischer Zurückhaltung passiv-aggressiv um Parkplätze. Ich rolle einfach nur vorsichtig zum Eingang durch, denn dort gibt’s Motorradparkplätze. Die Handyzubehör-Läden haben ebenfalls kein SP Connect, aber einer der Mitarbeiter ist so motiviert, hilfsbereit und/oder gelangweilt, dass er für mich im PC nachschaut, wo ich das kaufen könnte: In ganz Norwegen nicht im Geschäft. Er schlägt vor, es in ein Hotel schicken zu lassen, wenn ich ein Hotel für später gebucht habe. Ich bedanke mich und besuche die Handyläden, auf der Suche nach einem wasserdichten Android, dass ich irgendwie ans Motorrad nageln könnte. Samsung A15 für 245 Euro? In Deutschland eher 150, und keine montierbare Hülle weit und breit? Ich verzichte. Jetzt geht’s ja weitgehend geradeaus, das klappt notfalls bei Regen auch mit Sprachansagen vom Handy in der Tasche. Beim Ausparken frage ich eine junge Motorradfahrerin noch, ob Parken hier wohl kostenlos ist? Sie meint ja, grundsätzlich für Motorräder. Das beruhigt mich.

Auf dem Weg raus aus Trondheim, Richtung Norden, kann ich das auch gleich ausprobieren: Der E6 folgen. Das geht jetzt die nächsten Tage so. Highlight ist noch ein Blick auf den Stördalsfjorden.

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Dann rolle ich weiter die E6 hoch und suche nach einem Tankstopp einen Campingplatz. Der darf ruhig etwas abseits der Hauptstrecke liegen, damit wir Ruhe haben. Und vielleicht nicht ganz so weit im Norden, Christoph muss mich ja einholen können. Ich selbst bin aber auch ganz schön müde, ehrlich gesagt. So wird’s dann ein weitläufiger Platz außerhalb von Verdal, mit großer Hütte für zwei. Küche, Wohn- und Schlafbereich sind eigene Zimmer! Es gibt fließend Wasser, auch warm. Das Waschhaus mit Dusche ist gleich nebenan. Es gibt WLAN in der Hütte. Bzw. es gab WLAN in der Hütte, als ich sie ausgesucht habe, danach funktioniert es nicht mehr. Was ist denn eigentlich los... Das nervt mich aber nur am Rande, ich freue mich, dass mein Reisebegleiter Christoph jetzt angekommen ist!

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Nach der Dusche wirft er auch schon die Küche an, obwohl er ja doch eher an seinem Gaskocher hängt. Es gibt Pasta mit Rinderrouladen.

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212 km heute

Ab jetzt nur noch nach Norden, 1850 km bis zum Nordkapp
So 11.08. Velkommen til Nord-Norge

Hinter den Wolken ist der Himmel immer blau.

Schon vor der Abfahrt steht fest, dass es heute nass wird. Also alles anziehen und los! Da wir beide um 7 schon ausgeschlafen sind und auch stringent einpacken rollen wir schon um 8:10 vom Platz.

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Mein Handy bleibt heute feuchtigkeitsgeschützt in der Jackentasche. Christoph navigiert entlang meiner geplanten Route. Wir verständigen uns über Intercom. Ich habe extra für diese Reise ein Duo-Set China-Intercoms mit Regenbogenbeleuchtung angeschafft, Typ P20X. Für 26,50 Euro, inkl. Versand, für das Set. Das funktioniert überraschend gut: Es koppelt sich, und es hat real ca. 150 Meter Reichweite. Es rauscht nicht, und es überträgt nicht alle Atemgeräusche, sondern filtert sie.

Unsere Route folgt heute der E6 mit kleinen Abstechern. Die E6 ist die Hauptstrecke. Sie ist durchaus nicht schnurgerade, man hat als Motorradfahrer also etwas zu tun. Die alte Strecke wird abschnittsweise durch eine breitere Neubaustrecke ersetzt bzw. ergänzt, wo es deutlich gerader geht. Außerdem ist dort Tempolimit 90 statt 80, und dank der besseren Sicht kann man besser überholen. Bzw. man kann besser überholt werden, denn manche möchten gern schneller fahren als erlaubt. Erster Punkt heute ist Steinfjellet nach 190 km. Haken dran. Dann passieren wir die Grenze zu Nordnorwegen (kein Passknackerpunkt):

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Es hat sich ziemlich eingeregnet, und auf den Höhen bläst auch der Wind kräftig. Da sind sogar die Schilder schief.

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Wir machen gut Strecke. Als Tagesziel haben wir immer 400 km geplant. Mit diesem Tagesschnitt komme ich pünktlich zu meiner Fähre am 28.8., und pünktlich ins Sauerland zum Versystreffen. Tatsächlich haben wir das schon 13 Uhr erreicht und haben durchaus Lust, weiterzufahren.

Der Aprilia Pannenzähler steigt auf 3:

1. Tankanzeige geht nicht
2. Neu: Fernlicht und Lichthupe geht nicht (Zusammenhang zu „Abblendlicht immer an“-Modus?)
3. Neu: Beide Koffer undicht (Kappa KGR46PACK2)

Christoph tankt alle 200 km, das ist dann zwar nicht mal die Hälfte meines Tanks, aber ich mache gern mit. Und weil er für mich Tankwart spielt, ich aber vorläufig die Unterkünfte bezahle, gleichen sich die Kosten halbwegs aus. Wir finden einen Supermarkt, der sonntags geöffnet hat, wenn auch mit reduziertem Sortiment. Christoph ernährt sich gern gesund und snackt frisches Obst und Gemüse. Gegessen wird bei der Tankstelle gegenüber, und höflichkeitshalber tanken wir dort nochmal. Wir brauchen noch eine Unterkunft. Angesichts völliger Durchnässtheit meiner Stiefel, Socken (trotz Müllbeuteln!) und Handschuhe habe ich Lust auf ein Hotel. Tatsächlich finden wir ein Hotel mit 2 Einzelzimmern zu je 50 Euro, was genau unser Tagesbudget ist. Das Hotel liegt in der Stadt Mo i Rana auf der Route, sogar an der Kreuzung zu einem Abstecher – den kann man mit Ausdauer noch heute fahren, oder erst morgen, wenn man schlapp macht. Nach der Pause schließe ich meine Heizjacke an und die Heizhandschuhe. So geht’s mollig warm zum letzten Passknackerpunkt heute. Zum Regen kommt auch noch Nebel, darum gibt’s kein Foto. Es geht zum Hotel, noch ein drittes Mal heute tanken, und direkt zum Hotel.

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Wir checken komplett durchnässt ein. Leider gibt es keinen Trockenraum, daher muss die Elektroheizung auf dem Zimmer ran. Nach der Dusche ruft die große Gruppenküche. Ich hätte schon Lust auf Pizza vom Italiener, aber Christophs fliegende Küche gibt noch ein Nudelgericht mit Tomaten-Sahne-Paprika-Bohnen-Soße her. Zu meiner sehr großen Freude verbindet sich mein Laptop erstmals seit gefühlt einer Woche erfolgreich mit dem WLAN einer Unterkunft. So kann ich auswerten und planen bis die Schwarte kracht:

Das sozialistische WEB Passknackerkombinat „Ruhm des Marx-Kammschen Arbeiterkreises“ hat heute 535 km geleistet und damit den 18-Tagesplan um 33,7% übererfüllt.

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Ich habe 70% von Norwegen geknackt. Wir haben noch 1323 km bis zum Nordkapp.

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Für einen möglichen Reifenwechsel auf der sicheren Seite habe ich einen Yamaha-Händler in Kiruna identifiziert. Das ist wahrscheinlich Europas nördlichster Motorradhändler, er liegt auf dem Weg, und weil er in Schweden liegt ist er hoffentlich günstiger und unkomplizierter. Sonntags reagiert er aber nicht auf Anfragen. Dorthin könnte ich mir aus Deutschland oder Schweden vielleicht auch ein Handy oder Handyzubehör schicken lassen. Das ist aber alles nicht so einfach und schon gar nicht transparent. Versand von Amazon Deutschland geht nicht, Versand von Amazon Schweden dauert zu lange, usw.
Nachtrag zu gestern: Wir haben gestern unseren ersten Elch gesehen. Er stand etwas verloren in einer Baustelle herum. Für mich war es der erste wilde Elch überhaupt. Auf der ersten Blick denkt man an ein Pferd, aber der Kopf fehlt – auf den zweiten Blick ist das Tier größer, aber der Kopf sehr viel kleiner. Eine Elchkuh hat auch kein Geweih.

Mo 12.08. Arctic Circle

Polarkreise nennt man die Besonderen Breitenkreise der Erde auf 66° 33′ 55″ (66,565°) nördlicher und südlicher Breite, auf denen die Sonne an den beiden Tagen der Sonnenwende gerade nicht mehr auf- bzw. untergeht.

Gestern Abend und heute früh habe ich viel Mühe investiert, um meine Sachen wieder trocken zu bekommen. Das hat auch ganz gut geklappt, nur an den Stiefeln bin ich gescheitert. Da half auch keine ganze Nacht auf der Elektroheizung. Dann also wieder Socken in Tüten. Dafür gibt’s ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, für 50 Euro inkl. Einzelzimmer echt nicht schlecht. Kann man sich merken: Skillevollen Motell in Mo i Rana. Los geht die Tour um kurz nach 9. Es geht weiterhin im wesentlichen die E6 nach Norden mit Abstechern zu Passknackerpunkten. Manche davon liegen aber auch mitten auf der E6. Es ist gelegentlicher Nieselregen bei 13-17 Grad angesagt. Ich wage es, mit meinem nicht wirklich wasserdichten Haupthandy zu navigieren, allerdings versetze ich die Halterung so nah an den Lenkkopf, dass das Handy sehr deutlich im Windschatten der Scheibe ist und kaum nass wird. Und das funktioniert gut. Erstes Highlight unserer Route ist der nördliche Polarkreis. Hier gibt’s ein Touristenzentrum, das diverse Camper und Motorradfahrer gern besuchen, oder zumindest den Parkplatz davon. So auch wir.

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2 km später kommt der erste Passknackerpunkt, Saltfjellet, der liegt mitten auf der Hauptstrecke, Fotomotiv am Straßenrand. Von der Sicherheit her eher so naja. Weiter geht’s auf einen Abstecher nach Osten: Der nächste Punkt liegt in Schweden. Norwegen hat ein Zollgebäude, das aber geschlossen ist – Norwegen und Schweden sind beide im Schengen-Raum – ansonsten sieht man von der Grenze nur dieses Schild hier:

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Norwegen hat nicht mal ein Schild. Tolle Landschaft hier in Schweden.

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Weiter geht’s, gleich ein Abstecher mit zwei Passknackerpunkten nach Westen. Es ist sehr groß BEIARN ausgeschildert – hoffentlich ist das nicht so ein Möchtegern-Oktoberfest. Leider tröpfelt es hier nicht mehr nur, darum schlüpfen wir in die Regensachen. Nur damit es 3 Minuten später wieder aufhört. Das Regenradar schweigt sich dazu übrigens komplett aus: Alles grau, aber nix blau. Es folgen 132 km bis zum nächsten Passknackerpunkt, aber wir machen in Fauske Mittagspause. Das ist die größte Stadt heute. Christoph kann sich mit frischem Obst und Gemüse verköstigen, und für mich gibt’s ein Sandwich. Wir verzehren es direkt an der Promenade des Fjords, unter den interessierten Augen der Möwen.

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Für mich gab's zusätzlich Gefrierbeutel für die Füße, die hoffentlich dichter sind als meine Mülltüten. Gestern sind nicht nur die Stiefel so komplett abgesoffen, dass beim Laufen Lutblasen an Nähten austreten, sondern auch die Socken in den Tüten. Und dann geht’s weiter: Südportal des Kobbskartunnelen fotografieren, wieder mitten auf der E6, die sich durch die Landschaft schwingt...

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Danach scharf links und die alte Strecke fahren, zum Passknackerpunkt Eiavatnet. Und da gibt’s ein landschaftliches Highlight:

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Was für ein Berg! Man könnte ihn stundenlang betrachten. Wir legen mal wieder Regenkleidung ab. Und nach drei Minuten wieder an. Nächster Punkt: Tennvasskaret, Foto machen direkt auf der E6. Die Wunschunterkunft für den Abend hat eine defekte Webseite, wo man kein Zimmer buchen kann. Man kann aber chatten, und mir wurde ein Rückruf versprochen. Der kam nie. Als ich dort anrufe, sagt man mir: Ausgebucht. Gar nicht so praktisch, da es hier eher dünn besiedelt ist. Ich suche und buche also was anderes, nicht ganz so weit, nicht ganz so groß, aber dafür direkt am Fjord.

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Es gibt ein Schlafzimmer mit 2 Stockbetten und einen Wohn/Kochbereich. Kein fließendes Wasser. Aber eine super Aussicht, und abends Sonne auf der Terrasse, die für die Wetterkapriolen entschädigt. Wir breiten unsere Sachen aus zum trocknen und kochen uns eine schöne Thai Suppe. Da steigt die Laune! Heute war ein guter Tag.

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455 km heute, 14% über Tagesziel.

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75% Norwegen, 2,8% Schweden

Wenn wir weiter so performen, erreichen wir schon übermorgen das Nordkapp, und haben damit einen Tag Vorsprung auf die Planung.
Nachtrag zu gestern: Wir wollten eigentlich ein Foto des Sonnenuntergangs machen, und die Sonne verschwindet auch hinter dem Horizont, aber es dämmert die ganze Nacht. So sieht's um 2 Uhr früh aus:

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Di 13.08. Narvik

Wohlverständig ist, wer sich nicht grämt um das, was er nicht hat, und sich vielmehr freut über das, was er hat.

Heute steht eine Fähre Bognes-Skarberget nach 17 km Fahrstrecke auf dem Plan, die alle 40 Minuten fährt. Die Überfahrt dauert 25 Minuten. Sie ist Teil der E6, also muss man nicht vorab buchen. Eigentlich ideal für ein Frühstück auf der Fähre, bzw. bei der Wartezeit, aber ich kann meinen Mitreisenden nicht überzeugen. Er mag gemütlich frühstücken und sich seinen Tee selbst kochen. Das sei ihm gegönnt. Die Nacht war eher unruhig, zumindest für mich. So starte ich dann ganz schön verpeilt in den Tag und bin froh, als ich fertig gepackt auf dem Motorrad sitze und losrolle. Dazu lacht die Sonne und es sind 20 Grad angekündigt. Wir kommen ungefähr zur Mitte der 40 Minuten maximal möglichen Wartezeit am Fähranleger an. Ferrypay.no funktioniert bei mir wieder mal nicht. Die Fähre ist eine elektrische. Am Anleger hängt auch ein Ladekabel bereit, aber sie braucht es nicht, als wir auf die Fähre rollen. Wir genießen die Überfahrt über den Fjord, auch ohne Sonnendeck.

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Noch vor dem ersten Passknacker kommt die Stadt Narvik, die heute die größte Stadt ist. Hier wird das Eisenerz aus Kiruna, Schweden, vom Zug auf Schiffe verladen. Diese Eisenbahnlinie hat die stärksten Lokomotiven Europas. Wir kaufen in Narvik ein. Raus aus der Stadt hat man den Blick über den Fjord und die beeindruckenden Brücken, mit denen der Hauptverkehr sich den Weg entlang der Fjorde sparen kann.

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Dann fahren wir Richtung Kiruna, denn Bjornfjell, der erste Passknackerpunkt heute, liegt knapp vor der Grenze zu Schweden. So haben wir nach 141 km heute den ersten Passknackerpunkt eingetütet. Hier ist Ausdauer gefragt.

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Die Landschaft erinnert hier schon an Schweden. Auf der Strecke ist auch eine Mini-Anlage zum Laden für Elektrofahrzeuge.

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Den Punkt Bukkemyra erreichen wir schon nach gerade mal 61 km. Für den Punkt Tamokveien müssen wir die E6 verlassen und fahren eine Weile parallel die Straße 87. Hier ist eine Baustelle angekündigt mit bis zu 2 Stunden Wartezeit, aber wir haben Glück, und dürfen über eine frisch mit Schotter abgedeckte Rohrleitung fahren – 10 Meter Schotter, 1 Meter tief. Kuriose Berge hier – die Gletscher haben wohl nicht bis ganz oben gereicht.

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Der Punkt selbst liegt laut Koordinaten bei einem verlassenen roten Haus. Da halten wir. In der Beschreibung steht aber „weißes Haus“, und die Fotos sind eindeutig ein Haus weiter westlich. Also umparken und nochmal, vorher will ich aber noch den rechten Helmlautsprecher tiefer setzen, denn der drückte aufs Ohr. Ich lege den Helm auf die Sitzbank und drücke gefühlvoll auf den Helmlautsprecher, als sich das Bezugssystem plötzlich ändert. Nanu, was ist denn hier los? Das Motorrad kippt nach rechts, von mir weg, das ist los! Und ich habe einen Helm in der Hand und eine Airbagweste an, ich kann mich also nicht schützend drunter werfen, ohne weitere Schäden anzurichten. Immerhin landet die Aprilia wie bestellt auf Sturzbügeln und dem rechten Plastikkoffer. Ich baue das Topcase ab, und zu weit bekommen wir sie schnell wieder in die Senkrechte. Christoph schabt ein kleines Loch in den abschüssigen Grund für den Seitenständer, damit das nicht gleich wieder passiert, und wir begutachten den Schaden: Minimale Kratzer am unteren Sturzbügel, sonst ist nichts zu sehen. Nichtmal die Spiegel sind verstellt. Das Handy am Lenker beginnt, Musik abzuspielen, das ist noch das kurioseste.

Durchatmen und sortieren: Wir sind irgendwie beide müde heute, trotz gutem Wetter. Es wird Zeit für die Suche nach einer Unterkunft. Die gut bewerteten Campingplätze sind schon ausgebucht bzw. haben keine Hütten mehr. Ich möchte gern mehr Nachtruhe und so einigen wir uns auf eine Hütte für mich ein Zelt für Christoph, der halt einfach mehr Abenteurer als ich ist. Respekt! Also weiter, aber das richtige Haus nicht vergessen, sonst zählt es nicht!

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Wenig später sind wir wieder auf der E6, tanken einmal voll und rollen dem Campingplatz entgegen. Es war über 20 Grad warm, aber auf den letzten Kilometern sind kühle Tunnel. Der Campingplatz heute heißt zwar fast wie der letzte, ist aber deutlich älter und abgenutzter. Wir sind aber nicht anspruchsvoll, von den 4 Kochplatten funktioniert immerhin eine, und das WLAN ist gut.

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411 km heute

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78% Norwegen, 2,8% Schweden

Blick in die Zukunft: Der Yamaha-Händler in Kiruna reagiert nicht auf Mails. Ein Hotel in Östersund, wo ich ein neues Handy hinschicken könnte, reagiert nicht auf Mails und geht nicht ans Telefon. Heute ging Handynavigation meinerseits einwandfrei, es war aber auch trocken.
Mi 14.08. Alta, Nordkap

"Die Quelle des Urd ist nicht länger ein dunkles Tief, in das wir starren, sondern ein lebender Strom, der fruchtbar durch die Länder des Nordens fließt. Ja, gegen die höchsten Visionen der Essenz kann sich dieses Leben nun in Entwicklung seiner gründenden Kraft und Sonderlichkeit erheben, erheben zum Allvater, der über Walhall ist, zu ihm, dem wahren Gott..."

Die Nacht begann kalt, wurde aber gegen 3 Uhr früh sehr warm, als ein südlicher Wind aufkam. Ich war gut erholt. Zum Aufstehen um 7 Uhr war dann schon Christophs Zelt trocken, und auch das Gras. Ein wenig schlechtes Gewissen hatte ich ja schon, fein in der Hütte zu wohnen, während Christoph sich ins Zelt bückt. Aber er mag das so. Ich gab meinen Stiefeln noch Trockenzeit in der Sonne, während wir frühstücken, und habe mich dann erstmals seit einer Woche ohne Tüten über den Socken in die Stiefel getraut. Fun Fact, unser Campingplatz ist 15 km von der finnischen Grenze entfernt.

Wir fahren heute zum Nordkap, und darauf freue ich mich richtig! Auch wenn das ein Normie-Touristenziel ist, deswegen ist es ja nicht schlechter. Die 460 km schrecken uns auch nicht ab. Wir gönnen uns heute Abend auch gleich zwei getrennte Hütten und unterwegs beschließen wir, dass es auch ein Restaurant sein darf. So geht’s mit guter Laune die 100 km auf der E6 zum ersten Passknackerpunkt. Die Nordküste Norwegen jenseits des Polarkreises ist natürlich extremen Wintern ausgesetzt. Es wächst kaum was und die Zivilisation hat Mühe, sich hier zu halten...

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Kleiner Scherz, es ist im Sommer wirklich sehr angenehm hier und auch im Winter bleibt das Meer eisfrei dank des Golfstroms. In jeder Bucht ein Yachthafen. Den ersten Punkt heute verpasse ich fast, weil er halt doch nicht auf der E6 liegt, sondern oberhalb, auf der alten E6, unter der jetzt ein neuer Tunnel verläuft. Am Kvaenangsfjellet hat man eine prima Aussicht auf den Fjord und dabei ist es wirklich sehr windig – aber weiterhin so warm, dass wir alle wärmenden und isolierenden Schichten ablegen.

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Der nächste Punkt, Kvaenangsveien, folgt schon nach 30 km, mitten auf der E6 – ich bin schon ganz nervös! Dann geht’s wieder sehr lange am Fjord entlang und durch die größte Stadt heute, die auf den griffigen Namen Alta hört. Kann man sich als Ex-Ruhrgebietsbewohner sehr gut merken. Dort tanken wir auf und gönnen uns eine Mittagspause im Supermarkt Gourmet-Bunnpris. Und das ist ja mal 'ne klasse Erfindung! Warme Theke, Tische zum Essen innen und außen, gratis Kaffee und WC, es hätte warme Spare Ribs gegeben – aber wir wollen auf dem Motorrad nicht einschlafen, darum gibt’s Wrap für mich und Obst/Gemüse für Christoph. Die Außentische haben sogar Sicht auf den Fjord. Gourmet-Bunnpris sei hiermit als Geheimtipp für Norwegenreisende auf Budget ausdrücklich empfohlen. Wer halbfeuchte Stiefel/Socken hat, kann sie dabei auch gut in der Sonne trocknen, zumindest auf den Außenplätzen. Jenseits von Alta wird es mit jedem Kilometer einsamer und man sieht auch immer weniger Bäume, dafür aber immer mehr Rentiere.

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Die habe ich in Echt auch noch nie gesehen. Die sind etwa so groß wie Rehe, aber breiter. Das Geweih ist mit Fell bezogen und sieht sehr flauschig aus. Vom Verhalten her sind Rentiere weniger scheu als Rehe und sie wirken insgesamt eher unbeholfen bis ungeschickt. Weglaufen haben sie nicht so verinnerlicht. Wenn man drauf zufährt, gehen sie erst innerhalb von 10 Metern weg, wobei sie defensiv sind, nicht aggressiv. Wir fahren immer weiter, es ist wirklich ungewöhnlich warm. Nur im Tunnel zur Insel Mageröya, auf der das Nordkap liegt, wird es mit 13 Grad richtig frisch, und zwar 8 km lang. Wir zählen die Kilometer zum Nordkap runter.

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Dann zeigt Google Maps eine Verkehrsstörung an, und ich mache mich auf alles gefasst: Drive-Thru Eisdiele? Fahrradgruppe? Baustelle? Harley-Gruppe? Nein!

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Vollsperrung eines Tunnels, der sich nicht umfahren lässt. Eine kurze Online-Recherche fördert zu Tage: Notreparatur an einer „Kaltwassertür“ (?), soll von 15:45 bis 18 Uhr dauern. Am Tunnel ist nicht nur die Ampel auf rot und Personal steht davor, es ist innen auch erkennbar ein sehr massiv wirkendes Stahltor runter gefahren. Es ist 16:15. Christoph packt den Klappstuhl aus.

So vergeht die Zeit, bis sich das Stahltor wieder öffnet. Es ist 16:25. In den ersten Reihen legen die Motorradfahrer hektisch die Helme an – wissen die mehr als wir? Alle werden hektisch. Christoph baut den Klappstuhl ab, ist aber zu langsam – so werden wir schließlich sogar von ein paar Autos überholt, bis es losgeht. Diese Schmach! Aber, für den weiteren Verlauf ist das positiv, denn jetzt ist vor uns eine große Lücke im Verkehr und vielleicht weniger Trubel am Nordkap selbst. Die paar Autos sind bald überholt, die Motorradfahrer lassen wir ziehen. Die Strecken hier sind durchaus bergig und würden auch in den Alpen nicht langweilig wirken, nur ohne Bäume – hier wächst kaum was. Dafür lohnt es sich, die Augen nach renitenten Rentieren offen zu halten, die haben wenig Angst vor Straßen und Fahrzeugen. Schließlich erreichen wir das Nordkap, bzw. die Touristenanlage davon. Sie kostet Parkgebühr und Eintritt, etwa 5 Euro (ohne Besucherzentrum). Man darf parken, umher wandern, und auch dort campen. Am berühmtesten ist die Weltkugel.

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Da ist ein Selbstbildnis Pflicht, für alle. Auch für mich.

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Ich bin glücklich und zufrieden, dass wir bei besten Wetter hier gut angekommen sind. Aber jetzt führt jeder Tag Richtung Süden. Trotz undichter Stiefel und Schwierigkeiten mit Navi-Handies ist es ein gelungener Urlaub, Christoph ist ein toller Begleiter, und die Tuareg ist ein tolles Reisemotorrad. Wir werden aber nicht hier am Parkplatz campen, und auch nicht bis 1 Uhr warten, um mit dem Motorrad zur Weltkugel fahren zu dürfen, und auch nicht 30 Euro Eintritt fürs Besucherzentrum bezahlen, um dort einkaufen zu dürfen. Daher machen wir uns auf den Weg zu unseren Hütten. Nordkapp Camping heißt der Platz, und er liegt direkt an der Hauptstrecke.

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Der Platz hat auch Nachteile, z.B. 24/7 Motorradverkehr, Duschen kosten Geld, was man erst bemerkt, nachdem man 10 Minuten drauf gewartet hat, dass der Vorgänger fertig ist, langsames WLAN bzw. zu viele andere Touristen. Eine Aversion vor Wohnmobilen sollte man hier aber generell nicht haben.

Fun Fact, da das Nordkapp auf der Insel Mageröya liegt, ist es gar nicht der nördlichste Punkte auf dem europäischen Festland. Das Nordkap ist der nördlichste auf dem Straßenweg erreichbare Punkt vom europäischen Festland aus. Der nördlichste Punkt auf dem europäischen Festland ist in Kinnardden, ca. 67 km östlich von hier und nur über eine 2-Tages-Wanderung von einem Flugplatz erreichbar. Aber das ist nicht unsere Sorge, solange Passknacker keine Wanderer-Wertung einführt. Den Abend feiern wir mit Pizza, Burger und Whiskey Cola. Einflüsse auf diese Ausgabe des Reiseberichts sind möglich.

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500 km heute – es zog sich stellenweise, Intercom hält fit

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81,4% Norwegen, 2,8% Schweden

Ab jetzt geht’s südlich!